VACANCES AU PAYS

V'00

VACANCES AU PAYS

TRIP TO THE COUNTRY, A

Jean-Marie Téno
F/D, 2000
Dokumentarfilme, 75min,

VACANCES AU PAYS

Jean-Marie Téno
F/D, 2000
Dokumentarfilme, 75min,

Ton: 
Lardia Thombiano
Kamera: 
Jean-Marie Téno
Moussa Diakité
Schnitt: 
Christiane Badgley
Musik: 
Ben's Belinga
Marianne Entat
Produktion: 
Les Films du Raphia
Weltvertrieb: 
Les Films du Raphia
Format: 
35 mm
Farbe

Jean-Marie Téno begibt sich auf die Reise durch Kamerun, durch seine eigene Geschichte und die seines Landes. Er wiederholt dreißig Jahre später die gleiche Fahrt, die er als Kind zu Beginn der Schulferien antrat: von der großen Stadt Yaoundé, wo er das Gymnasium besuchte, in sein Heimatdorf. Téno begegnet dabei Menschen, die er nach den Hoffnungen und Enttäuschungen befragt, die ihnen die Veränderungen der vergangenen vierzig Jahre gebracht haben. Er versucht, die Kluft zwischen Stadt- und Dorfbewohnern zu überbrücken, und reflektiert auf persönliche Weise das afrikanische Faible für Modernität.

Das Gymnasium in Yaoundé ist noch immer nicht nach einem Kameruner benannt. Es trägt aber auch nicht den Namen eines französischen Schriftstellers oder Intellektuellen. Das Gymnasium heißt nach General Leclerc, der 1940 die Söhne Kameruns in den Krieg für Frankreich führte - zweifellos, um sie zu erziehen. Man weiß nicht, wie viele von ihnen gestorben sind. Dieser Krieg ging sie nichts an. Eine halbe Million Kameruner wurde später von der französischen Kolonialarmee umgebracht. Diesmal ging die Sache sie etwas an. 1960 wurde Kamerun für unabhängig erklärt. Ich habe dieses Gymnasium besucht, in den euphorischen Jahren nach der Unabhängigkeit. Unsere Eltern plagten uns damals mit den Worten: «Du musst studieren, dann wirst du wie die Weißen». Unsere Vorfahren in den Schulbüchern waren Gallier. Man erzog uns im Geiste eines Modernitätskultes, dem man huldigen musste, selbst auf die Gefahr hin, sich zu verlieren. Aus meiner Schulzeit habe ich das frustrierende Gefühl zurückbehalten, dass alles Europäische modern sei, alles Afrikanische hingegen vorsintflutlich und zum Verschwinden bestimmt. Für mich bedeutet Modernität das Streben nach dem Ausgleich der gegenwärtigen Ungerechtigkeiten, damit kein Volk mehr Not leiden muss, und dem Versuch, die Schrecken der Vergangenheit wie Sklaverei und Kolonialisierung vergessen zu machen. (Jean-Marie Téno)