UFA

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DIE UFA

Hartmut Bitomsky
D, 1992
Dokumentarfilme, 88min,

DIE UFA

Hartmut Bitomsky
D, 1992
Dokumentarfilme, 88min,

Mit: 
Klaus Kreimeier
G. F. Peters
Paul Seiler
Drehbuch: 
Hartmut Bitomsky
Ton: 
Gerhard Metz
Kamera: 
Simon Kleebauer
Arthur Ahrweiler
Schnitt: 
Ingo Ehrlich

Produktion: 
Big Sky Film
WDR
La Sept
Weltvertrieb: 
Big Sky Film
Format: 
Video (Betacam SP)
Farbe

1917. Das deutsche Militär war dabei, den Krieg zu verlieren. Man dachte an eine neue Waffe. Sie sollte die Feinde in Schrecken versetzen und die Deutschen begeistern. Man dachte an Filme, die Propaganda machen. Am 18. Dezember 1917 wird die Ufa gegründet. Die Geschichte der Ufa endet offiziell 1945, aber sie geht trotzdem bis heute weiter. Der Konzern sollte entflochten und dadurch zerschlagen werden. Seither sind mehr als 50 Jahre vergangen, und er befindet sich immer noch in Liquidation. Die Ufa hat nur 27 Jahre lang Filme produziert.
Ein Mythos lautet: Die Ufa sei die Schmiede der deutschen Filmkunst gewesen, besonders in den zwanziger Jahren. Aber die großen expressionistischen Filme sind nur zu einem geringen Teil von der Ufa gemacht worden. Die Ufa hat das gewissermaßen beerbt, weil sie sehr schnell als größter deutscher Filmproduzent die deutsche Filmproduktion schlechthin war. Ein anderer Mythos stammt aus det Nazi-Zeit: dass die Ufa total ferngesteuert gewesen sei und dass die Nazis ein fantastisches Filmkonzept gehabt hätten, das sie erfolgreich und könnerhaft durchzusetzen verstanden. Nichts davon stimmt. Das ist ein riesiger Bastelladen gewesen, der nur funktionieren konnte, weil ihm Übereinstimmung von unten entgegengebracht wurde. Es gibt so einen Anteil bei den Menschen, dass man es dem, der die Macht hat, sowieso immer recht machen will. Bloß nicht in die Klemme kommen!Diese Haltung ist wahrscheinlich viel wirkungsvoller gewesen für die Filmpolitik der Nazis als diese bürokratischen Institutionen, die sie um die Filmindustrie herum organisiert und konstruiert haben. [...] Wenn es einen deutschen Film gegeben hat, dann ist es ein Film der Krisen gewesen. Es gab niemals eine Amortisationsbasis in Deutschland, die breit genug gewesen wäre, eine dauerhafte, sich selbst tragende Filmindustrie zu etablieren. Die Ufa war von ihrer Gründung im Kriegsjahr 1917 bis zum Kriegsjahr 1945 immer auf Subventionen angewiesen. Nun ist die Subvention das Tor, durch das Politik, Macht, Interessen einströmen. Es wird nirgendwo etwas umsonst subventioniert. Und die Geschichte des deutschen Films nach 1945 ist auch eine Subventionsgeschichte. Die Ufa, das größte kapitalkräftige Unternehmen, das es in der deutschen Filmgeschichte gegeben hat, hat es nur einmal geschafft: im Krieg. Da hat der Krieg sozusagen die Ufa subventioniert. Der Krieg, der Europa besetzte, die nationalen Filmindustrien in den besetzten Ländern unterdrückte oder an die Kandare nahm. Da war zum ersten Mal richtig viel Geld
da. Vorher haben die immer in den roten Zahlen gestanden. (Hartmut Bitomsky im Interview mit Peter Paul Kubitz, 1992)