HIGHWAY 40 WEST

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HIGHWAY 40 WEST

Hartmut Bitomsky
USA/BRD, 1981
Dokumentarfilme, 180min,

HIGHWAY 40 WEST

Hartmut Bitomsky
USA/BRD, 1981
Dokumentarfilme, 180min,

Drehbuch: 
Hartmut Bitomsky
Ton: 
Gerhard Metz
Kamera: 
Axel Block
Schnitt: 
Matthias von Gunten
Gaby Kuli

Produktion: 
Big Sky Film
Polytel International
WDR
Weltvertrieb: 
Big Sky Film
Format: 
35 mm
Farbe
Bestehend aus 4 Teilen: 1: National Trail Von Atlantic City nach Indiana 2: Prairie & Plains Durch Illinois, Missouri und Kansas 3: Across the Rocky Mountains Von Colorado nach Utah 4: California Cut-Off Utah, Nevada und California

Ich mache mir Notizen, meistens über das, was hinter uns liegt. Es gibt kein Drehbuch oder Skript.
Wir haben zwei rote Kühlboxen für das Filmmaterial. In der einen ist das belichtete, in der anderen das unbelichtete. «Don't X-ray!» steht auf beiden. Vor uns liegt ein Film ohne Bilder. Die Wörter sind seine Piloten. Beim Schreiben ist die Verfügbarkeit der Welt, beim Filmen ist ihr  Widerstand zu erfahren. Das liegt in der Natur der Fotografie und in der Willkür der Sprache begründet. Darum wird der Film eine Affirmation Amerikas sein, meine Notizen aber Kritik. Er schnappt einfach über. (...) Aus Ohio habe ich das Bild eines elektrischgrünen Morgens in der Greyhound-Busstation; aus Indiana das Bild einer Flickendecke aus verwaschenen, abgetragenen Farmerhemden; aus Illinois das Bild einer wirbelnden Staubfahne und das Bild des Diamanten der Eisenbahnschienen.
Missouri ist die False Front von Snoddy's Store; Kansas ist der Farmer am Vermillion, der von der Überschwemmung redet und «Oh boy!» ausruft; und Colorado sind zwei Jungs, die im Gelass hinter der Touristenranch Kartoffeln in Stanniolpapier einwickeln. Es ist den amerikanischen Städten eigentümlich, dass man sich nachts in ihnen besser zurechtfindet als tags. Die Reklamelichter stiften einen eigenen Raum. Jede Nacht gründen sie die Stadt aufs Neue. Der Tag zerstört sie wieder, und nichts ist unterschieden. Zu jedem Bild gesellt sich eine Idee, eine Erfahrung, eine Gravität. Statt den Platz der Dinge zu entdecken, erschafft man den Bildern eine Welt. Man reist als Demiurg. (Hartmut Bitomsky)
Der Verlauf der Straße ist der Faden der Erzählung. Was wir sehen und vernehmen, ist die dramatische Geschichte einer Erosion. Die US 40 teilt diese Erosion mit, erzählt sie im Doppelbild einer immer weiter um sich greifenden Versteppung. Wenn nicht alles trügt, hat Amerika (USA) den Höhepunkt seiner kulturellen Kohäsion, die auch immer eine kontinentale und transversale Verknüpfung war, bereits überschritten. Der Zustand der Union ließe sich als Drift, erneute Zerbröckelung nacherzählen. Auffällig, in diesem Zusammenhang, in diesem Film, die Abwesenheit, ja  Verschwiegenheit allen botanischen Eebens. Das mag mit dem Autofahren zu erklären sein; eher aber mit dem wirklichen Aussterben großer Biotope (und jeder Naturschutzpark, wie jede Reservation besiegelt dieses Aussterben). (Hanns Zischler)