Dokumentarfilme

REICHSAUTOBAHN

Hartmut Bitomsky
BRD 1986
91min
V'00

Die Reichsautobahn ist das größte deutsche Bauwerk gewesen. «Jetzt ist das wahre Ende der deutschen Kleinstaaterei erreicht», schrieb jemand damals. Die Autobahn stellte Zusammenhänge her. Beim «ersten Spatenstich» am 23.9.1933 in Frankfurt am Main sagte Hitler: «Wir werden dafür sorgen, dass das Werk sich nicht mehr trennt von denen, die es geschaffen haben.» Ein infamer Satz.
Zuallererst hat die Autobahn eine Maßnahme zur Beschaffung von Arbeit sein sollen. Aber der Effekt auf die Arbeitslosigkeit war nicht so bedeutend. 100.000 Leute haben auf den Baustellen gearbeitet, 120.000 in den Zulieferindustrien. Nicht alle von ihnen waren zuvor arbeitslos gewesen.
Beton, Kies, Sand, Zement und Arbeitskräfte. Aus den Zutaten der Autobahn ließ sich auch etwas anderes machen. Der Westwall. 1938 wurde dem Generalinspekteur für das deutsche Straßenwesen, Dr. Todt, der Bau des Westwalls aufgetragen. Das war das Ende der Reichsautobahn. 3000 Kilometer waren fertig. Es kamen noch ein paar hundert Kilometer hinzu. 1942 wurden die Arbeiten ganz eingestellt. Immense Kosten, enorme Arbeit, gewaltige Anstrengungen: einfach verschwendet? Man sträubt sich gegen solch einen Gedanken. So ein umfassendes wirtschaftliches Unternehmen kann nicht einfach sinnlos sein. Natürlich kann man sagen, die Autobahn sei der erste Versuch, die Volkswirtschaft auf die Autoindustrie zu fundieren. Dafür spricht manches. Denn tatsächlich wurde die Autobahn erst im Zeitalter der Bundesrepublik zu wirklichem Leben erweckt. Aber sehr bald genügte nicht mehr, was aus der Nazizeit übereignet worden war. Die gesamte Anlage der Autobahnen musste umgemodelt, erweitert oder abgebaut werden, um endlich einem Verkehrssystem Platz zu schaffen, an dem keine Ästhetik existiert - auch nicht die Ästhetik der Macht. Dies sind die Gegenstände und Materialien des Films: Zitate, Interviews, Filmausschnitte, Dokumente, Ansichten und Betrachtungen. Wir haben zusammengestellt, was heute von der Reichsautobahn überliefert werden kann. Leute, Autobahner, Erinnerungen, Ruinen, Legenden, Vorurteile. Wir haben Materialien zusammengestellt, die von den Bauarbeitern überleiten zur Ästhetik der Straße und zum Autofahren. Es ist eine Bewegung der Keynesianischen Ökonomie. Sie führt in die Gegenwart: Arbeit muss nicht unbedingt einen Nutzen haben, aber die Leute müssen mit irgendetwas beschäftigt werden. (Hartmut Bitomsky)
 

Credits
  • Hartmut Bitomsky
  • Gerhard Metz
  • Carlos Bustamante
  • Hartmut Bitomsky
Big Sky Film, WDR

Big Sky Film

35 mm
bw
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