Fotbal Infinit

Programmvorschau

HAUPTPROGRAMM VIENNALE 2018

Wie bereits verlautbart, werden wir die Unterscheidung zwischen Spiel- und Dokumentarfilmen aufgeben. Dies ist der Versuch, gegen eine Ungerechtigkeit, respektive das Unpräzise einer Kategorisierung anzugehen, die es nach wie vor verabsäumt, der Komplexität der filmischen Sprache, die von den unterschiedlichsten Registern geteilt wird, gerecht zu werden. Viele FilmemacherInnen werden darüber erleichtert sein und das Publikum darf sich auf fruchtbringende Überraschungen freuen, die Anlass zu Überlegungen und Diskussionen geben werden: über die Art und Weise, wie und was Film vermittels Bild und Ton eigentlich ausdrückt.

Unser Programm versammelt große Filme, die bei Festivals in aller Welt – von Cannes bis Buenos Aires – ihre Premieren feierten. Sie kommen in einer Vielfalt von Formen und Längen, tonalen Lagen und Genres. Und wenn wir von Genres sprechen: diese können klar definiert sein, aber auch angedeutet, sie können evoziert, gemischt oder kontaminiert sein.

Wir präsentieren Werke einiger der größten zeitgenössischen FilmemacherInnen, darunter ANG PANAHON NG HALIMAW des preisgekrönten philippinischen Regisseurs Lav Diaz, LE LIVRE D’IMAGE von Jean-Luc Godard, BEO-NING des südkoreanischen Filmemachers Lee Chang-dong, 3 FACES des iranischen Meisters Jafar Panahi und Pawel Pawlikowskis ZIMNA WOJNA, eine leidenschaftliche Liebesgeschichte, die sich vor dem Hintergrund des Kalten Kriegs zuträgt und deren einzelne Kapitel von den musikalischen Arrangements der jeweiligen Zeit begleitet werden.

Wir fahren fort, Arbeiten jener FilmemacherInnen zu zeigen, deren Schaffen die Viennale von Beginn an begleitet hat: LEAVE NO TRACE, in dem Debra Granik, ausgehend von einer familiären Situation eine weitergehend politisch provokante Frage aufwirft; FOTBAL INFINIT, in dem Corneliu Porumboiu das Regelwerk des Fußballspiels dazu dient, den Regelwerker zu interpretieren; ÎMI ESTE INDIFERENT DACĀ IN ISTORIE VOM INTRA CA BARBARI, in dem Radu Jude sich am Beispiel einer Theaterinszenierung mit Verantwortung und historischer Erinnerung auseinandersetzt; oder TARDE PARA MORIR JOVEN, Dominga Sotomayors intimer und autobiografisch angehauchter Film, der beim diesjährigen Festival in Locarno mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet wurde.

Das Programm bietet auch die Möglichkeit, neue AutorenInnen zu entdecken, die die Filmwelt mit aussagekräftigen und originellen Filmen erobert haben, die bereits jetzt als fundamentale und unvergessliche Arbeiten betrachtet werden können. Wir präsentieren DA XIANG XI DI ER ZUO, das epische Debüt von Hu Bo, sowie einen jüngst entdeckten, bislang unbekannten Kurzfilm des engagierten, im Vorjahr verstorbenen Künstlers und Schriftstellers aus China. Die rumänische Regisseurin Adina Pintilie befasst sich in ihrem provokativen, formal und visuell mutigen Film TOUCH ME NOT – bei der diesjährigen Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet – mit Fragen von Sexualität, Sinnlichkeit und Humanität. Und mit dem Animationsfilm VIRUS TROPICAL adaptiert der kolumbianische Filmemacher Santiago Caicedo auf brillante Weise Power Paolas hochgelobte Graphic Novel über das Erwachsenwerden mit all seinen lästigen Verpflichtungen und aufregenden Entdeckungen.

Besonderes Augenmerk legen wir auch auf die Arbeiten von KünstlerInnen, die auf dem Terrain des Kinos vorbeischauen und dabei Inspirationen von den benachbarten Gebieten mitbringen. Wie beispielsweise RAY & LIZ, Richard Billinghams fesselnder und rigoroser Erstling nach einer autobiografischen Geschichte; oder SEGUNDA VEZ, Dora Garcías’ persönliche Übersetzung des performativen Werks von Oscar Masotta sowie der einflussreichen Arbeiten von Julio Cortázar und Macedonio Fernández. Es wird noch eine Menge mehr zu entdecken geben, auch
unter den kürzeren Formaten.

Besonders stolz sind wir auch darauf, dass das österreichische Kino wieder stark vertreten ist. Wir freuen uns, die Premiere von Sudabeh Mortezais JOY ankündigen zu können, der sich zart und scharf zugleich mit dem Thema Migration beschäftigt. Und wir zeigen ANGELO von Markus Schleinzer, der sich – aus historischer Perspektive und mit außergewöhnlichen formalen Mitteln – Fragen von Machtverhältnissen, Rassismus und sozialen Klassen widmet.
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Hier finden Sie eine erste Vorschau auf Special Programs.
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Hollywoods Low-Budget-Kino 1935–1959
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