NEUSTADT. STAU - DER STAND DER DINGE

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NEUSTADT. STAU - DER STAND DER DINGE

Thomas Heise
D, 2000
Dokumentarfilme, 86min,

NEUSTADT. STAU - DER STAND DER DINGE

Thomas Heise
D, 2000
Dokumentarfilme, 86min,

Drehbuch: 
Thomas Heise
Ton: 
Uve Haußig
Kamera: 
Peter Badel
Schnitt: 
Gudrun Steinbrück

Produktion: 
Ö-Filmproduktion
Weltvertrieb: 
Ö-Filmproduktion
Format: 
35 mm
Farbe

Sieben Jahre nach seiner eindringlichen Beobachtung des Neubaugebietes Halle-Neustadt in Stau (1992) kehrte Regisseur Thomas Heise zu diesem Schauplatz zurück. Mit den Veränderungen seit 1992 hatte er nicht gerechnet - zunehmende Verarmung der Bevölkerung und Verwahrlosung der Stadt. «Die Stadt ist abgestürzt ... Erschöpfung war der Grundeindruck.» Ausländerfeindliche Äußerungen und rechtsradikale Aktivitäten, Arbeitslosigkeit und Überschuldung bestimmen das Bild von Neustadt, Phänomene, die oft gerade mit dem Osten assoziiert werden. «Es gibt eigentlich nichts spezifisch Ostdeutsches», entgegnet der Regisseur, der Rezession, emotionale Verzweiflung und städtische Trostlosigkeit überall beobachtet. «Ich behaupte nicht, der Osten ist Westen geworden. Der Westen hat nur noch nicht bemerkt, dass er jetzt zum Osten gehört.» (Natalie Gravenor)

«Die ethnisch kulturellen Konflikte nehmen zu, damit auch die Gewalt, und die radikalisierte Moderne mit ihrer hohen Veränderungsgeschwindigkeit treibt die Gesellschaft auseinander. Das klingt noch abstrakt, und Abstraktes verstört nicht.» Diese Sätze von Wilhelm Heitmeyer habe ich im Januar vorigen Jahres in der Zeit gelesen. Diese Sätze verstörten mich. Die Frage, wie sieht die Normalität aus und was schlummert unter der Decke, erschöpft von den Konflikten des Alltags, kann wahrscheinlich nur ein Dokumentarfilm beantworten. Bilder als Antwort suchen. Erschöpfung ist das Wort, das die Stadt heute schreit. Das ist die eine Seite. Die andere, für diesen Film, ist Brechts Lesebuch für Städtebewohner. Meine Erinnerung an diesen Text ist größer als die tatsächliche Menge seiner Wörter. Da steht alles drin. Wenn man Brechts Gedicht «Nach Unten» hinten dranhängt. Der Film ist eine andere Beschreibung der gleichen Vorgänge. (Thomas Heise)