BONHEUR

V'06

Le BONHEUR

Agnès Varda
F, 1964
85min, OmdU

Le BONHEUR

Agnès Varda
F, 1964
, 85min, OmdU

Mit: 
Jean-Claude Drouot
Marie-France Boyer
Marcelle Favre-Bertin
Manon Lanclos
Sylvia Saurel
Marc Eyraud
Christian Riehl
Paul Vecchiali

Produktion: 
Mag Bodard
Weltvertrieb: 
Verleih in Österreich: 
35 mm/Farbe

Bilder einer glücklichen Familie. Dann lernt der Mann eine zweite Frau lieben. Seine erste Frau kann nicht akzeptieren, dass er beide gleichzeitig liebt, sie kommt ums Leben. Die andere Frau wird dem Mann Ehefrau, den Kindern die Mutter. Ich bin ausgegangen von ganz kleinen, winzigen Impressionen, von fast nichts: von Familienfotos. Detailliert sieht man da Leute, eine Gruppe von Personen, alle um einen Tisch, unter einem Baum, sie haben ihre Gläser erhoben und lächeln, während sie in die Kamera schauen. Wenn Sie das Foto betrachten, sagen Sie sich: Das ist das Glück. Ein Eindruck nur, eine Impression. Agnès Varda «Cahiers du Cinéma» Nr. 165/1965 Wer hätte gedacht, dass die plane Realitätsabschilderung, die sich die meisten Filme angelegen sein lassen, eines Tages durch einen bewussten Kopisten ad absurdum geführt würde? Agnès Varda komponiert Einstellungen à la Renoir (Auguste) sie arrangiert geleckte Sequenzen, die einem Modejournal zur Ehre gereichen könnten - dazwischen strahlt die Leinwand auf im reinsten Rot oder im reinsten Weiß als zubereitete Fläche, die auf den nächsten «Eindruck» wartet -, sie fotografiert einen Bogen Briefmarken ab, jede einzelne ein Chagall, sie reproduziert ein Stück aus Renoirs (Jean) Le Déjeuner sur l'herbe auf dem Fernsehschirm, in Farbe versteht sich, und sie kopiert sogar noch ein Stück des Glücks der Familie Drouot, so heißt nämlich die Filmfamilie in Wirklichkeit. Das Ganze ist unterlegt mit Mozartmusik, denn das Rokoko gilt als eine glückliche Zeit. Die Varda nimmt die Vorstellungen beim Schopf und zeigt sie als die Realitäten, die sie sind. Die fabrizierte Welt ihres Films gibt sich als Imitat, in dem nicht die Details den Ausschlag geben, sondern die Kraftlinien, die aus ihrem Arrangement entstehen: Entworfen wird das Schema der gelassenen Grausamkeit bürgerlicher Glücksvorstellung, weil ohne den üblichen komplementären Idealismus Schiller'scher Spielart. Außerdem liefert der Film Beiträge zur Genese der von der Reklame verwalteten Picknick-Ideologie, beschworen in Bildern, die eben nicht «reine Natur» sind, sondern die von den Impressionisten dargestellte Lebensfreude wahrmachen. Frieda Grafe «Filmkritik» Nr. 104/1965