Filmtipps bis Montag, 5.11.

Wir haben nochmal im Programm gestöbert und eine kleine Übersicht mit Empfehlungen für die kommenden Tage zusammengefasst. Tickets sind, wie gehabt, online, per Telefon 01/526 594 769 und direkt an den Kassen erhältlich

JIANG HU ER NÜ (ASCHE IST REINES WEISS)
China/F/Japan 2018, 136 Min, OmdU, R: Jia Zhangke
Mit: Tao Zhao, Fan Liao, Yi’nan Diao
Zu Beginn der 2000er Jahre ist Qiao an der Seite ihres Gangster-Freundes Bin eine Art Königin in der kleinen nordchinesischen Minenstadt, in der Bin einen Nachtclub führt. Doch nichts in ihrem Leben erweist sich als stabil: Die Mine schließt, ihr Freund macht sich schuldig, sie geht für ihn ins Gefängnis, aber als sie entlassen wird, ist er längst weitergezogen. Mit grandiosem Gespür für die Wechselwirkung von Landschaft und Figuren erzählt Jia Zhangke einmal mehr von der turbulenten kapitalistischen Entwicklung Chinas. Seine Hauptfigur, die taffe Qiao, mag auf den ersten Blick eine „Geschichtsverliererin“ sein, vor allem aber ist sie eine trickreiche, kluge, stolze Überlebende.
3. 11., 20.45 h, Gartenbaukino
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DI QIU ZUI HOU DE YE WAN (LONG DAY’S JOURNEY INTO NIGHT)
China/F 2018, 138 Min, OmeU, R: Bi Gan
Mit: Tang Wei, Sylvia Chang, Zeng Meihuizi
Der Held sucht seine verlorene Liebe – im Traum, in der Erinnerung, auf einem Jahrmarkt. In der Wirklichkeit? Zwischen Trance und Trip kulminieren die Ereignisse in einer buchstäblich stundenlangen Einstellung in 3D, in der endlich auch das Publikum die Bodenhaftung verlieren darf.
3. 11., 23.30 h, Gartenbaukino
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SEGUNDA VEZ (SECOND TIME AROUND)
B/NO 2018, 94 Min, OmeU, R: Dora García
Mit: Gerardo Naumann, Adriana Barenstein, Graciela Martínez
Der Filmessay der renommierten Künstlerin Dora Garcia kreist um das Denken und die Kunstpraxis des argentinischen Psychoanalytikers Oscar Masotta. Die Regisseurin rekonstruiert einige provokante Happenings, die der Theoretiker im Gefolge Jacques Lacans in seinem Heimatland veranstaltete, ehe er durch den Militärputsch im Jahr 1976 ins Exil gezwungen wurde, und zieht eine Metaebene aus Diskussionen und Konversationen ein. SEGUNDA VEZ ist kein Biopic, sondern eine filmische Meditation über Terror, Massenpsychose und psychologische Einschüchterung, in der Diskurs und visuelle Assoziationsketten immer wieder neue faszinierende Legierungen eingehen.
In Anwesenheit von Dora García.
3. 11., 15.30 h, Stadtkino im Künstlerhaus
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LES PROIES (THE GAME)
F 2018, 53 Min, OmeU, R: Marine de Contes
Die Ringeltaube gehört sicherlich nicht zu den Tieren, die einem bei dem Wort „Jagd“ als erstes einfallen. Dennoch, jedes Jahr werden sie zu Tausenden erlegt. Wovon man in LES PROIES allerdings nur wenig zu sehen bekommt: De Contes geht es mehr um die Jäger und das zum Teil recht bizarre Umfeld, welches sie sich geschaffen haben, inklusive Unterstände und weitläufiger Systeme von verdeckten Gängen, die einen an Bunker und Laufgänge im Krieg erinnern. Charmant ist, wie die Herren sich die Wartezeit vertreiben, rührend, wie sie in ihrem merkwürdigen Treiben aufgehen. In LES PROIES lässt sich tatsächlich eine neue Welt entdecken, und das ist doch allerhand.
In Anwesenheit von Marine de Contes.
3. 11., 18 h, Stadtkino im Künstlerhaus
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A ILHA DOS AMORES (THE ISLAND OF LOVE)
P/Japan 1982, 169 Min, OmeU, R: Paulo Rocha
Mit: Luís Miguel Cintra, Yoshiko Mita, Clara Joana
Programmschiene: NEWS FROM THE ARCHIVE
Rocha, der selbst acht Jahre als Kulturattaché in Japan verbrachte, inszeniert in A ILHA DOS AMORES die autobiografischen Aufzeichnungen Wenceslau de Morães’. Seit 1891 lebte der Diplomat und Schriftsteller zunächst in Macau, verließ aber seine chinesische Frau und die gemeinsamen Kinder für seine große Liebe, die Geisha O-Yone Fukemoto. Nach deren Tod blieb er in Japan und widmete sich, zurückgezogen und verarmt, seinen Schriften, in denen er den Europäern die Kultur seiner Wahlheimat nahezu bringen suchte. Vor diesem persönlich--biografischen Hintergrund collagiert Rocha in einem singulären Stil aus Theatralik und epischer Breite ein grandioses Panorama portugiesisch-asiatischer (Kolonial-)Beziehungen.
3. 11., 21 h, Metro, Historischer Saal
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ÜBERRASCHUNGSFILM
Land: ?, Jahr: ?, Länge: ?, Regie: ?
Mit: ?
Wie jedes Jahr: Überraschung!
4.11., 15.30 Uhr, Gartenbaukino
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STANDARD
Argentinien 1989, 81 Min, kein Dialog, R: Jorge Acha
Mit: Libertad Leblanc, Jorge Diez, Miguel Oliveira
In Focus: Jorge Acha
STANDARD bezieht sich auf ein Projekt der Hybris des rechten Politikers López Rega: Er plante 1975 eine Art Mausoleum des Vaterlandes zu bauen, das alle mythischen Figuren der argentinischen Geschichte beherbergen sollte: von San Martín über Perón bis zu den Brüsten der Schauspielerin Libertad Leblanc. Aus dieser Vorgabe schafft Acha ein Reich der Zeichen: Stakkatoklänge, Architekturmodelle, christliche Symbole, Statuen und rituelle Bewegungsabläufe organisieren sich zu einem kinematografischen Karneval des Wahnsinns. „In Achas Film“, heißt es in einem Text, „wird die Zweitklassigkeit Argentiniens enthüllt und in all ihrem verlogenem Pomp vorgeführt.“
4. 11., 16 h, Urania
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LOW TIDE
USA/B/I 2012, 92 Min, OF, R: Roberto Minervini
Mit: Daniel Blanchard, Melissa McKinney, Vernon Wilbanks
In Focus: Roberto Minervini
Der zwölfjährige Junge hat gelernt, sich allein zu beschäftigen, und kommt gut mit Tieren aus: Schlangen, Katzen, Hunden, Fröschen und seinem Goldfisch. Nur reden kann er mit ihnen nicht. Mit seiner Mutter auch nicht, vor allem, weil sie nie da ist, da sie entweder arbeitet oder ausgeht. Wenn sie mal da ist, ist sie kurz angebunden oder hat mit einem Mann zu tun, den sie mitgebracht hat. Die Hausarbeiten überlässt sie ihm. Ab und zu nimmt sie den Jungen mit ins Pflegeheim, wo sie putzt und Patienten wäscht, damit er ihr hilft. Einmal schlüpft er dort unter die Decke eines Bettes, das die Mutter gerade frisch bezogen hat. Auf die Dauer kann das nicht gut gehen.
4. 11., 16 h, Filmmuseum
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VISUAL JUSTICE PROGRAMM 6:
LE PROFIT ET RIEN D’AUTRE ! – OU RÉFLEXIONS ABUSIVES SUR LA LUTTE DES CLASSES (PROFIT AND NOTHING BUT! OR IMPOLITE THOUGHTS ON THE CLASS STRUGGLE)
F/B 2001, 52 Min, OmeU, R: Raoul Peck
OBZORNIK 63 – VLAK SENC (NEWSREEL 63 – THE TRAIN OF SHADOWS)
SLO 2017, 38 Min, OmeU, R: Nika Autor
Zwei Essays, die ihren Kontext ausgehend davon erhellen, wie dieser mit Benachteiligten umgeht. Raoul Pecks Film analysiert und relativiert die Mechanismen und Auswirkungen der Globalisierung zur Jahrtausendwende, elf Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer, an einem sehr präzisen Hier und Jetzt: Haiti – „ein nicht existierendes Land“ skandiert der Erzähler einem melancholischen altgriechischen Sänger gleich. Ökonomisch existiert Haiti tatsächlich nicht, außer als vernachlässigtes Symptom der ortgesetzten Katastrophe, die die Globalisierung für die Menschen der Dritten Welt darstellt. Nika Autor greift Raoul Pecks Frage nach der Position des Kinos in dieser Geschichte auf. Sie zieht die gesamte Filmgeschichte heran, um zwei Aufnahmen zu deuten und zu würdigen, die zwei Wirtschaftsmigranten auf ihrer Flucht unter einem Eisenbahnwaggon gemacht haben – Bilder, die im Gegensatz zu Rilkes Blumen „in Geleisen so traurig arm im irren Wind der Reisen“ Bestand haben.
4. 11., 17 h, Metro, Historischer Saal
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CHAOS
A/Syrien/Libanon/Katar 2018, 95 Min, OmdU, R: Sara Fattahi
Mit: Raja, Heba, Jaschka Lämmert
Der Krieg ist in den Traumata der vertriebenen Frauen, die in CHAOS zu Wort kommen, allerorten allgegenwärtig. Fattahi findet für sie eine höchst sinnliche und zugleich verstörende Bildsprache, in der sich die Tragödie des Verlusts - von Heimat, von Identität - abbilden kann. Preisgekrönt in Locarno.
In Anwesenheit von Sara Fattahi und Mitgliedern des Teams.
5. 11., 18 h, Gartenbaukino
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ZI YOU XING (A FAMILY TOUR)
Taiwan/Hongkong/Singapur/Malaysia 2018, 107 Min, OmeU, R: Ying Liang
Mit: Gong Zhe, Nai An, Pete Teo
Filmemacherin Yang Shu, Alter Ego des Regisseurs, wohnhaft in Hongkong, reist nach Taiwan, zeitgleich kommt ihre Mutter mit Tourismusvisum in einer Reisegruppe „versteckt“ vom chinesischen Festland auf der Insel an, um Zeit mit ihrer Tochter und deren Familie zu verbringen. Nicht erst der hingeworfene Satz, die Tochter sei ja schon ganz Hongkongerin geworden, lässt die beiden sich ihrer wachsenden Fremdheit gewahr werden. Das Private ist (geo)politisch in dieser Geschichte einer Tochter-Mutter-Beziehung, in der asiatische Einflusssphären ebenso verhandelt werden wie die Frage, was das eigentlich ist: „Chinesisch-Sein“.
3. 11., 13 h, Stadtkino im Künstlerhaus
5. 11., 18.30 h, Urania

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SI LINGHUN (DEAD SOULS)
Teil 1, 248 Min, OmeU
Teil 2, 248 Min, OmeU
F/CH 2018, R: Wang Bing
Ende der 1950er Jahre durchzog eine erste gnadenlose Kampagne gegen vermeintliche „Rechtsabweichler“ Maos kommunistisches China. Wang befragte dazu ab 2005 unter anderem Überlebende des Lagers Mingshui in der Wüste Gobi. Mit erschütternder Genauigkeit berichten die greisen Männer von der tödlichen Absurdität totalitärer Ideologie, von Überlebensschuld und von der absoluten Entmenschlichung in diesem „Umerziehungslager“, das schlicht der Vernichtung durch Arbeit und Hunger diente. Wangs Mammutwerk bezeugt erst- und wohl auch letztmalig ihre Geschichte; 2012 registriert eine Erkundung mit der Kamera noch einmal den Ort – eisiger Wind zerrt am Mikrofon, menschliche Knochen überall. Heute sind die Reste des Lagers Mingshui eingeebnet.
TEIL 1: 5. 11., 11 h, Metro, Historischer Saal Tickets und Info...
TEIL 2:  6. 11., 11 h, Metro, Historischer Saal Tickets und Info...

DER FLUCH
A 1925, 71 Min, stumm (dZT), R: Robert Land
Mit: Oskar Beregi, Lilian Harvey, Albert Heine
Special Programs: Surviving Images
Der Film entführt in ein galizisches Schtetl des 19. Jahrhunderts und erzählt parabelhaft das Schicksal des vom rechten Weg abkommenden Pferdehändlers Jehuda Nachmann und seiner Katharsis. Nachmann nimmt es mit den jüdischen Geboten nicht so genau und zieht damit den Zorn des Vaters jener Frau auf sich, die sich aufgrund seiner Verfehlungen das Leben genommen hat. Er wird Der Fluch verflucht, und weder verstrichene Zeit noch eine andere Umgebung halten das Unglück auf, das ihn und seine Nachkommen nun verfolgt ... Ein Film über Schuld und die Suche nach Vergebung, darüber hinaus ein authentisches Bild des Schtetls.
Musik: Katharina Ernst
5. 11., 16.30 h, Metro, Historischer Saal
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