In Focus: Jorge Acha

 

In der Geschichte des Kinos gibt es ehrwürdige Namen und goldene Zeitalter ebenso wie Fußnoten und vergessene Namen. Zu letzteren zählt der argentinische Filmemacher Jorge Acha, der nur 49 Jahre alt wurde. Acha war ein hervorragender Maler, er schrieb über das Kino und er drehte zwischen 1986 und 1992 drei bemerkenswerte Langfilme. Die Syntax dieser Arbeiten bricht gänzlich mit klassischer Linearität und ästhetischem Maß. Vielmehr sammeln Achas Werke verschiedene Episoden, die sich mit einer spezifischen Situation assoziieren lassen: die Inhaftierung eines politischen Gefangenen (HABEAS CORPUS); die Wahnwitzigkeiten eines nationalistischen Projektes (STANDARD); eine Reise in den Dschungel auf der Suche nach Erkenntnis (MBURUCUYÁ). In allen drei Fällen endet die eigentliche Geschichte als ein uneingelöstes Versprechen, und wird überlagert von einer sinnlichen Intensität, die zuvörderst dazu dient, die Emotionalität des Protagonisten zum Ausdruck zu bringen. In Enzyklopädien und im lateinamerikanischen Filmunterricht fehlt der Name Jorge Acha für gewöhnlich. Acha ist eines der größten Geheimnisse des argentinischen Kinos; sein frühzeitiger Tod bedeutete auch das vorzeitige Ende eines Werkes, das noch von großem Einfluss hätte sein können. Seine Relevanz jedenfalls wird durch seine formale Raffinesse und die ungewöhnlichen konzeptionellen Interessen, die sich darin ausdrücken, belegt.