Retro: Chantal Akerman

TABU – A STORY OF THE SOUTH SEAS

Friedrich Wilhelm Murnau
USA 1931
85min
V'11

F.W. Murnau: Mein ideales Manuskript Angenommen, die anderen Künste existieren nicht: dann wäre der Film längst gezwungen, seine eigene Technik gefunden zu haben. Eben aus derselben Not, aus der Vorzeitmenschen durch Bilder Reden machten, bevor die erste Schriftrede entstand. Bisher ohne eigene Technik, bewegt sich alles, was der Film tut, auf falscher Basis. Er bedient sich der Mittel der Novelle, des Romans, des Dramas, er entlehnt alles Technische von den Künsten, ohne die geringste Not im eigenen Technischen. Das ideale Manuskript (als ideale Forderung, nicht schlechthin) wäre eine Filmdichtung, die den Regisseur künstlerisch zwänge, einzig und allein im Sinne des Dichters zu handeln; wo es ein Improvisieren nicht gäbe. Kann der Regisseur frei schalten ohne der Dichtung zu schaden, vielleicht gar durch Improvisation ihr Niveau erst geben, so ist der Regisseur der Autor. Das ideale Manuskript müsste auch im naiven Zuschauer das beglückende Gefühl einer harmonischen Struktur auslösen; es darf nicht kriechen, die innere muß der äußeren Struktur entsprechen, auch von der Apparatstellung aus. Wie sehr die anderen Künste dem Film Brücken bauen, dokumentiert sich im Titel. Der Titel als logisch reflektierte Folgerung von Bild zu Bild ist schlechthin ein hemmendes filmisches Moment. Als rein freistehend, wird der Titel zunächst noch nicht zu vermeiden sein. Der Film ist als Kunst noch zu jung, ist seiner Ausdrucksform und seines Materials sich noch nicht bewußt und bedient sich aller Möglichkeiten nur in primitiver Bewußtheit. Aufgezeichnet von Eduard Jawitz «Film-Kurier», 26. März 1924

Credits
Paramount Publix Corporation
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