Dokumentarfilme

¡PARA BAILAR..., LA HABANA!

Santiago Alvarez, Ismael Perdomo
Kuba 1997
49min
V'00

«Mueve la cintura» lautet ein gängiger Schlachtruf, wenn sich die Nacht über Havanna senkt: Lass deine Hüften kreisen. Tanz ist in Kuba nicht nur zeremonielles Gliederschütteln, sondern ein Fest des Körperkults: Schauspiel, Selbstinszenierung, Balzritual, nonverbale Kommunikation, die dort weitermacht, wo die Sprache nicht mehr hinreicht. Spontan werden aus den Standardschritten von Salsa, Mambo, Chachacha unendlich viele neue Bewegungsfolgen entwickelt wie in einer raffinierten Jazzimprovisation. «Die Richtung weisen nur die Musik und die Intuition», schreibt der kubanische Autor Rogelio Saunders, «das Gespür für den Rhythmus und das Begehren, das aus der Tanzbewegung erwächst wie eine Welle aus der anderen, oder ein KUSS aus dem anderen.»
Die Dokumentation ¡Para bailar ..., la Habana! von Santiago Alvarez und Ismael Perdomo ist das komplementäre Stück zu La isla de la musica, um das Mosaik kubanischer Lebenslust/Lebenskunst zu vervollständigen. Die beiden Filmemacher beobachten ältere Tanzpaare im «Salon Rosado Beny More», die, obgleich übergewichtig, mit federleichter Eleganz über den Boden gleiten. Sie filmen eine erregte Debatte von Musikern und Musikwissenschaftlern über Herkunft und diffizile stilistische Verzweigungen kubanischer Musik- und Tanzstile. Und sie blenden mit Schwarzweiß-Material aus alten Fernsehsendungen immer wieder zurück in die große Zeit der Varietes und Mambo-Big-Bands der vorrevolutionären 50er Jahre. ¡Para bailar ..., la Habana! zeigt die Geburt des kubanischen Selbstbewusstseins aus dem Geist der Bewegungslust und die zahlreichen subkutanen Kanäle zwischen afrokubanischen Riten und dem Jazzrock von Irakere, zwischen der entfesselten Ekstase der Rumba und der geschliffenen Virtuosität der Tropicana-Tänzerinnen. Die beiden Filme von Santiago Alvarez sind ein Testament in Zelluloid. Ähnlich wie der große Romancier Alejo Carpentier mit seiner Geschichte der kubanischen Musik wollte Alvarez zum Schluss seines Lebens den Lebenshunger, die sabrosura, des kubanischen Volkes in seinen eindrucksvollsten künstlerischen Schöpfungen dokumentieren. Und gleichzeitig die Vielfalt einer Kultur, die von der klanglichen Monochromie der Salsa bedroht ist, vor dem Vergessen schützen. (Thomas Mießgang)
 

Credits
  • Helio Orovio
  • Damaso «Perez» Prado
  • Enrique Jorrin
  • Bobby Carcasés
  • Santiago Alvarez
  • Ismael Perdomo
  • Bladimir Zamora
  • Emilio López
  • Iván Napoles
  • David Ravelo
  • Nino Sosa
  • Helio Orovio
  • Bladimir Zamora
Oficina Santiago Alvarez - ICAIC

Oficina Santiago Alvarez - ICAIC

Video (Betacam SP)
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