ISLA DE LA MUSICA

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LA ISLA DE LA MUSICA

ISLAND OF MUSIC, THE

Santiago Alvarez, Ismael Perdomo
Kuba, 1997
Dokumentarfilme, 49min,

LA ISLA DE LA MUSICA

Santiago Alvarez, Ismael Perdomo
Kuba, 1997
Dokumentarfilme, 49min,

Mit: 
Eduardo Rosillo
Sprecher
Ibrahim Ferrer
Rubén González
Drehbuch: 
Santiago Alvarez
Ismael Perdomo
Helio Orovio
Ton: 
Emilio Lopez
Kamera: 
Iván Napoles
David Ravelo
Schnitt: 
Pedro Suarez
Jesus Sanchez
Musik: 
Helio Orovio
Bladimir Zamora

Produktion: 
Oficina Santiago Alvarez - ICAIC
Weltvertrieb: 
Oficina Santiago Alvarez - ICAIC
Format: 
Video (Betacam SP)
Farbe

Die Platte Buena Vista Social Club, hat der berühmte kubanische Musikmoderator Eduardo Rosillo einmal gesagt, sei ein Tonträger von enormer künstlerischer Qualität. Aber auch ein Produkt, das sich verkaufen müsse. Und der westliche kapitalistische Markt habe eine Legende gebraucht, um seine Ware mit Aura auszustatten: «Wim Wenders' Film Buena Vista Social Club ist die Legende zu diesem Produkt». Die filmische Appropriation und nostalgische Kolorierung kubanischer Kultur durch Wim Wenders wird im Land selbst also durchaus zwiespältig gesehen. Dieser 1997 entstandene Dokumentarfilm von Santiago Alvarez und Ismael Perdomo zeigt den genuin kubanischen Beitrag zur Weltkultur in all seinen Ausfaltungen und stilistischen Interdependenzen.
Das Phänomen Buena Vista wird dabei nicht ausgeklammert: Es gibt eine Szene, in der die Veteranen in der Wohnung des Bassisten Orlando «Cachaito» Lopez zusammentreffen, spielen, diskutieren. Doch in La isla de la musica wird die späte Blüte der traditionellen kubanischen Musik in Perspektive gerückt und in ein dialogisches Verhältnis zu den großen Meistern und Erneuerern des Son, der Guaracha, des AfroCuban Jazz, des Bolero und der Guajira gesetzt. Santiago Alvarez arbeitet im Rahmen der Beschränkungen einer Dokumentation, die durchaus auch didaktischen Anspruch hat. Aber wenn er über einem musikalischen Thema die Tanzschritte von Beny More mit einer afrokubanischen Zeremonie gegenschneidet und durch raffinierte Bildmontage den subliminalen Energieströmen zwischen dem folkloristischen Guaguanco und einer Mambo-Bigband nachspürt, dann beginnen die Fakten zu tanzen. In den Augenblicken, wo La isla de la musica die Spur der Erzählung verlässt und sich dem Taumel der Bilder und Töne überlässt, wird der Film zur ästhetischen Manifestation der Idee der Fiesta, wie sie Octavio Paz formuliert hat: als  menschliche Grenzerfahrung, von Blitzen des Wahnsinns durchzuckt. (Thomas Mießgang)