Dokumentarfilme

DEUTSCHLANDBILDER

Hartmut Bitomsky, HEINER MÜHLENBROCK
BRD 1983
60min
V'00

Die Nazis wollten Deutschland ein Gesicht geben, das ihnen gefiel. Sie waren ausgesprochen schönheitsbedürftig. Sie schätzten Filme, die deutsche Kultur darstellten, Kulturfilme. Die Kulturfilme bestritten bei allen Kinovorstellungen ein halbstündiges Beiprogramm. Auf jeden Meter Spielfilm kam mehr als ein Meter Film ohne Spielhandlung. Wie kann man über diese Bilder sprechen? Es hat nach dem Krieg keinen Bildersturz gegeben, der die Filme in einem Akt der ersten Empörung zerstört hätte. Die Filme wurden konfisziert - und das ist etwas anderes. Sie sind unter Verschluss, in einem Museum der Geschichte gefangengehalten: Man muss sie freikaufen, um sie zeigen zu können, und man kriegt sie nur heraus, wenn der Kontext sie gewissenhaft dosiert, unschädlich macht: Man benutzt die Bilder als Dokumente.
Sie sollen belegen, wie der Faschismus gewesen ist, und gleichzeitig müssen sie gegen sich selbst sprechen: so wie man es mit Agenten macht, die übergelaufen sind und umgedreht werden. Worüber können diese Bilder sprechen? (Hartmut Bitomsky)

Angaben zu historischen Daten, Namen und sogar Analytisches halten Bitomsky und Mühlenbrock so knapp wie möglich. Sie lassen die Filme weitgehend für sich selbst sprechen, es gibt nur fünfzehn Minuten Kommentar in ihrem einstündigen Film. (...) Bitomskys Kommentar ist weniger auf Analyse als auf gedankenreiche Anspielungen aus, will dem Zuschauer nicht Filmgeschichte vermitteln, sondern ihn aus seinen Denkgewohnheiten herauslocken. Dieser Dokumentarfilm steht in der Tradition des politischen Filmessays, in einer Reihe mit Werken von Chris Marker und Jean-Luc Godards Letter to Jane, die ebenfalls ihre zweifelnden Fragen an ideologiebefrachtetes Bildmaterial stellen. (Karen Rosenberg)

Deutschlandbilder (...) ist eine Montage aus Nazipropaganda und -kulturfilmen. Ihr Zentrum ist die Arbeit. Werkssport, Ernährung, Körperkult, Freizeit: alles ist auf den Arbeitsprozess bezogen. Das Schönheitsideal der Zeit gipfelt in der Arbeit selbst. Bitomsky findet die Vorliebe für Paraden in den Bildern wieder, auch in den teilweise aberwitzigen Choreographien, in denen Werkzeuge und Maschinenteile tanzen. Sie sind tautologisch: «Das Ausgerichtete ist geradlinig - die Natur natürlich - das Organische lebendig - Anmut harmonisch - und so weiter». Bitomsky wertet nicht. Er zeigt Respekt vor der Kraft, die die Bilder erlangen konnten. (Barbara Häusler)
 

Credits
  • Hartmut Bitomsky
  • Gerhard Metz
  • Carlos Bustamante
  • Hartmut Bitomsky
  • Heiner Mühlenbrock
  • Jons Dengler
Big Sky Film, WDR, Transtel

Big Sky Film

35 mm
bw
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