Dokumentarfilme

FLÄCHEN KINO BUNKER - DAS KINO UND DIE SCHAUPLÄTZE

Hartmut Bitomsky
DEU 1991
52min
V'00

Kino, sagt der französische Theoretiker Andre Bazin, handelt von der Beziehung der Menschen zum Raum. Gute Filme sind - auch - deshalb gut, weil die Orte der Handlung mitspielen, weil Szenenbild, Requisite, Kamera und Montage aus ihnen Schauplätze machen. Hartmut Bitomsky hat Beispiele zusammengetragen, die diesen Zusammenhang kurzweilig und materialreich vorführen. (Produktionsmitteilung)

[Hier] geht es um die Räume, die der Spielfilm im Kino imaginiert. Und so durchmisst Bitomsky filmisch den Raum, in dem er wie schon in seinem Dokumentarfilm-Essay Das Kino und der Wind und die Photographie arbeitet. Die Kamera durchfährt ihn parallel zur großen Schreibtischplatte, schwenkt ihn ab, wenn sie einem der beiden Assistenten folgt, die Texte vortragen, taucht in die Unterwelt unterhalb des Schreibtisches ab, in der Bierflaschen sich häufen und einmal eine unbekannte Besucherin liegt. Seine im Kommentar vorgetragenen Überlegungen und Assoziationen gelten der Bewegung im Raum als Grundlage jedes Erzählens. Bitomsky stellt die klassische Verfolgungsjagd (The Night of the Hunter von Charles Laughton) oder den überraschenden an unbekanntem Ort (die Maisfeldsequenz aus North by Northwest von Alfred Hitchcock) vor. Er erinnert an die künstlich abgeschlossene Welt der Hütte im Eis von Goldrush (Charles Chaplin), an den beobachteten Mikrokosmos von Rear Window (ebenfalls Hitchcock) oder an Wirklichkeitsräume des frühen Neorealismus von Roberto Rossellini. Er führt noch einmal die leeren   Erinnerungsräume der Vorstadt von La notte (Michelangelo Antonioni) vor und den horror vacui, den Fritz Lang in M - Eine Stadt sucht einen Mörder entfacht, wenn die Mutter nach ihrem Kind sucht und nur auf menschenleere Räume stößt. (...) Dieses Zitierverfahren, das mit Filmszenen ähnlich souverän umgeht wie ein literarischer Essay sich literarischer Zitate bedient, bringt einen enormen Reichtum an erinnerten, vergessenen oder noch nicht gesehenen Kinofilmen zum Vorschein. (Dietrich Leder)
Folgt man [Bitomskys] Auffassung, nach der die Herstellung eines Films Arbeit an der Wirklichkeit ist, so sind seine Filme Arbeit an der Überlieferung. Bilder des Dokumentarfilms wie des Spielfilms werden zu beredten Zeugen der Geschichte, wenn man sie wie Bitomsky zu lesen versteht. Dabei sind seine Filme alles andere als lehrmeisterhaft. Er übernimmt die Arbeit des Suchens nach und des Freilegens von Bildern, deren neue filmische Montage und Kommentierung dem Betrachter das selbständige Finden von Zusammenhängen und Strukturen ermöglicht. (Jutta Pirschtat)
 

Credits
  • Hartmut Bitomsky
  • Arm-Malen Witt
  • Arthur Ahrweiler
  • Arm-Malen Witt
  • Andreas Koppen
Big Sky Film, WDR

Big Sky Film

Video (Betacam SP)
bwcol
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