Eine Monografie widmen wir der visionären, kritischen Arbeit des Kollektivs Los Ingrávidos. In seiner künstlerischen Praxis transformiert es die Verwurzelung in den Ursprüngen mexikanischer Kultur in die unmissverständliche und scharfe Anklage gegenwärtiger Missverhältnisse.
Ein von Gerwin Tamsma kuratiertes, herausragendes Programm beschäftigt sich mit den Folgen der japanischen Besatzung in Südkorea; das Hauptaugenmerk liegt dabei insbesondere auf den politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen auf Kultur im Allgemeinen und Filmschaffen im Besonderen.
Im Rahmen unserer Zusammenarbeit mit dem Filmarchiv Austria stellen wir eine große österreichische Schauspielerin vor: Helene Thimig, deren internationale Karriere längst eine entsprechende Würdigung verdient hat.
Unsere gemeinsame, vom Filmmuseum organisierte Retrospektive ist eine einmalige Gelegenheit, mit Robert Kramer einen großen Filmemacher wiederzuentdecken (oder neu kennenzulernen), der sich mit enormer Leidenschaft an den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und politischen Protesten seiner Zeit beteiligte. Kramers Filmschaffen, geprägt von einer steten Suche in Form wie Ausdruck, adressiert ideologische Paradoxien; wir sind sicher, dass es gerade uns heute als eine unerschöpfliche Inspirationsquelle dienen kann.
Mit dieser kleinen Vorschau stellen wir eine Festivalausgabe vor, die sich intensiv mit den Ereignissen befasst, die unser Tagesgeschehen in sämtlichen Bereichen erschüttern. Vor dem Hintergrund von Konflikten, für die keine Lösung in Sicht ist und die schockierenderweise Teil unseres Alltags geworden sind, haben wir im vergangenen Jahr und in den letzten Wochen zunehmend absurde Momente der Intoleranz erlebt. Als ein Beispiel dafür mögen die vor kurzem abgehaltenen Olympischen Spiele dienen.
Es ist dies die Folge des ethischen wie sozialen Zerfalls einer Ordnung, die Politik nur mehr in den Kategorien großer Systeme denkt, womit solidarischen Zusammenschlüssen die Kraft entzogen und die Grundlage für eine kommunale, gemeinschaftliche Kultur ausgelöscht wird. Doch wir suchen unermüdlich nach Gegenmitteln und nicht nach Fluchtwegen.
Also bereiten wir uns vor auf den Herbst und auf ein Festival, das mit einer Fülle von Überlegungen und Fragen aufwarten wird. Denn wir wollen ein Kino, das über den reinen Idealismus hinaus geht und gewöhnlichen Ehrgeiz hinter sich lässt.