02 Nov 2026

DAILY: Tag 13, 3. November 2026

Gartenbaukino

In unseren VIENNALE DAILIES werden Sie täglich zum Geschehen rund um das Festival informiert!

Der Blues ist keine traurige Musik. Er ist die Medizin gegen die Traurigkeit.

Al Cook

AbschlussfilM: THE LONELIEST MAN IN TOWN

Eine ältere Person steht an einem Flussufer und spielt eine Resonatorgitarre

Rainer Frimmel, Tizza Covi
Österreich 2026, 86 min, OmeU - VI & OmeU

Di, 03.11., 20.45 Uhr: STADTKINO IM KÜNSTLERHAUS
Di, 03.11., 21 Uhr: FILMMUSEUM
Di, 03.11., 21 Uhr: METRO, HISTORISCHER SAAL
Di, 03.11., 21.15 Uhr: URANIA

30 Minuten vor Vorstellungsbeginn werden Wartenummern für Resttickets ausgegeben.

Alois Koch, lebenslang wohnhaft in der Ungargasse im Dritten Bezirk, sehnt sich nach dem Mississippi-Delta. Denn er hat (und spielt) den Blues. Unter dem Namen Al Cook ist der Mann mit der Tolle schon lange eine Institution in Wien. Nun erzählen Covi und Frimmel, die virtuosen Grenzgänger an den Rändern des Dokumentarischen, eine bewegende Geschichte mit ihm. Der Loneliest Man in Town soll seine Wohnung aufgeben, das Haus wird abgerissen. Was bleibt einem, wenn der Hausherr sich in eine Holding verwandelt? Halb Künstlerporträt, halb Blues-Ballade, zeigt dieser Film, wie man in den modernen Zeiten die Würde bewahrt. (Bert Rebhandl)

EINIGE UNSERER HEUTIGEN GÄSTE

Tizza Covi und Rainer Frimmel
Regisseure von
THE LONELIEST MAN IN TOWN

FILMTIPPS

Filmstill of Lo demás es ruido

Lo demás es ruido

Nicolás Pereda
Mexiko, Kanada, Deutschland 2026, 71 min, OmeU

Di, 03.11., 15.30 Uhr: STADTKINO IM KÜNSTLERHAUS

Rosa ist Musikerin. Sie ist eine große Nummer in einem sehr kleinen Segment, in der zeitgenössischen Musik in Argentinien. Ein Fernsehteam will ein Interview mit ihr drehen, Rosa hat dafür die Wohnung von Tere vorgeschlagen, einer Freundin und Kollegin. Die Aufnahme wird von allerlei Schwierigkeiten begleitet, darunter nicht zuletzt akustischen. Wo liegen die Grenzen zur Musik? Pereda, der argentinische Meister einer sehr eigenen Form von Minimal comedy, beginnt LO DEMÁS ES RUIDO mit einem minutenlangen Blick auf eine Straßenkreuzung und entwickelt die Spannung seines großartigen Kammerspiels vor allem aus Zwischentönen. (Bert Rebhandl)

Hustle

Filmstill of Hustle
Bild: Filmarchiv Austria

Robert Aldrich
USA 1975, 120 min, Omd/fU

Di, 03.11., 16 Uhr: FILMMUSEUM
Sa, 28.11., 18 Uhr: FILMMUSEUM

Einer der düstersten Beiträge zum pessimistischen Noir-Revival der 1970er. In Los Angeles ermittelt Polizeileutnant Gaines zum Tod einer jungen Frau, den seine Vorgesetzten als Suizid zu den Akten legen wollen. Daneben laboriert er an seiner Beziehung zum französischen Luxus-Callgirl Nicole. Aldrich zeichnet das Bild einer von Korruption zerfressenen Welt, die in melancholischer Dunkelheit versinkt: Der Zynismus der Mächtigen trifft auf die Verzweiflung der „Niemande“, während die Figuren von den alltäglichen Kompromissen zermürbt werden. Aldrichs charakteristische Wut wird fast von der Traurigkeit verschluckt. (Christoph Huber)

Pelechian Project Programm 2

Di, 03.11., 13.45 Uhr: FILMMUSEUM (kD)

Filmstill of Kyanq
KYANQ
Filmstill of Nash vek
NASH VEK

Auch wenn die Anzahl der Filme überschaubar ist, die Artavazd Pelechian in sechs Jahrzehnten geschaffen hat, so ist seine Stellung in der Filmgeschichte kaum hoch genug einzuschätzen. Sein Einfluss auf die Sprache des Kinos ist außergewöhnlich. Konsequent bleibt er in seinem Werk einer radikalen Reduktion verpflichtet, innerhalb der sowjetischen und postsowjetischen Filmkultur macht ihn das zu einer Ausnahmefigur. Als Dokumentarist, Essayist oder poetischer Avantgardist ist Pelechian nur unzureichend beschrieben. Seine Filme, die ohne Text und klassische Dramaturgie auskommen, bestehen aus Bildströmen, die eine visuelle Meditation über Mensch und Natur formen. In einem Gespräch mit Jean-Luc Godard sagt er, Film beruhe auf Raum, Zeit und wirklicher Bewegung. Diese drei Elemente bilden den Kern seiner Arbeit. Geboren in Armenien, ausgebildet in Moskau, findet Pelechian früh Anerkennung. 

SKIZBE, ausschließlich aus Archivmaterial zur Oktoberrevolution montiert, zeichnet seinen weiteren Weg vor und zeigt die Wucht historischer Umbrüche. Auf der Suche nach einer armenischen Identität, verdichtet er in MENQ das Verhältnis zwischen Individuum und Gemeinschaft zu einer pulsierenden Choreografie, die soziale Bindungen sichtbar macht. TARVA YEGHANAKNERY entfaltet ein Panorama bäuerlichen Lebens, Arbeit, Natur und Ritual gehen ineinander über. Ein Kreislauf von Mühe und Erneuerung entsteht. KYANQ erweitert diesen Blick, indem es Geburt und Tod als universelle Bewegungen begreift, während NASH VEK Mensch und Technik in ein Spannungsfeld setzt, das zwischen Staunen und Erschütterung oszilliert. Pelechian entwickelt eine eigene Theorie der Montage: die Distanzmontage. Sie soll kein lineares Denken erzeugen, sondern ein magnetisches Feld, in dem Bedeutung aus der Gesamtheit entsteht. So ähneln seine Filme Sinfonien aus Schwarz und Weiß (mit ein paar wenigen farblichen Ausnahmen), in denen aktuelle Aufnahmen und Archivbilder in einen visuellen Tanz geraten und Chaos und Ordnung einander als Kräfte desselben Stroms begegnen. (Otto Römisch)

V'26 VIDEOS

Volker Schlöndorff in der Viennale Zentrale im Funkhaus Wien bei der Viennale 2026. Er spricht unter anderem von seinem neusten Film HEIMSUCHUNG – EINE JAHRHUNDERTGESCHICHTE, der Roman-Vorlage und seinem mit dem Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film ausgezeichneten Film DIE BLECHTROMMEL.