SOIGNE TA DROITE

V'97

SOIGNE TA DROITE

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Jean-Luc Godard
CH/F, 1987
Spielfilme, 81min, OF

SOIGNE TA DROITE

Jean-Luc Godard
CH/F, 1987
Spielfilme, 81min, OF

Mit: 
Jane Birkin
Bernadette Lafont
Jacques Villeret
Drehbuch: 
Jean-Luc Godard
Ton: 
François Mussy
Kamera: 
Caroline Champetier de Ribes
Schnitt: 
Jean-Luc Godard
Musik: 
Les Rita Mitsouko

Produktion: 
Gaumont S. A.
Weltvertrieb: 
Metropolis Film
Format: 
35 mm
Farbe

Godard hat recht, sich als Prinzen und Idioten zu stilisieren, als jemand, der die Muße hat, seine Schrullen auszuleben. In Soigne ta droite läuft er die ganze Zeit mit einer Filmkassette herum und findet sogar einen Käufer für den Film. Der Käufer bietet eine Million Dollar, der Prinz fordert zehn Dollar. Sie einigen sich bei fünfhunderttausend Francs. Godard hatte nie eine Apanage, aus der er seine Filme hätte finanzieren können, er musste für seine Muße kämpfen. Andere mussten seine Schrullen bezahlen.

Man könnte Dostojewski zitieren und dazu eine Popgruppe zeigen. Die Szenen mit Les Rita Mitsouko haben etwas geradezu Lehrhaftes. Sie handeln vom Handwerk. Vor allem studieren sie die Stimme der Sängerin, mit und ohne Begleitung, manipuliert und unmanipuliert, wie sie sich hört und wie sie sich nicht hört. Mal schaltet Godard die Begleitung hinzu, mal blendet er sie aus. Dann hört man die Sängerin, wie sie sich nicht hört: wie sie wirklich klingt, ganz körperlich, unerträglich nah und konkret in der trockenen Studioakustik. Sie selbst hört sich über Kopfhörer immer schon begleitet und durch Hall technisch entrückt. Diese Szenen sind als eine Art eigenständiger Dokumentarfilm eingebaut. Ohne dass man je ein komplettes Stück vorgeführt bekommt, stiften sie Kontinuität: von der Einstellung des Drumcomputers und der Regelung der Instrumente bis zur Abmischung des fertigen Produkts. Handlung gibt es nicht mehr, eher Situationen, Spielelemente, Figuren. Szenen in einer Garage, in einer großbürgerlichen Wohnung, in einem Hotelzimmer mit See- und Sonnenuntergangsblick, im Heyselstadion, im Flugzeug. Vor dem Start: Der Prinz hält seiner ältlichen Sitznachbarin das Garn, das sie zu einer Kugel wickelt. Es ist leuchtendrot und spiegelt sich in seiner Brille. Sie: "Sie sehen traurig aus." Er: "Es ist immer ein bisschen traurig, die Erde zu verlassen." Der Pilot liest Selbstmord - Eine Gebrauchsanweisung. Dann fliegt das Flugzeug: Der Pilot schläft, der Prinz philosophiert über das Lächeln, ein Liebespaar spricht ausschließlich in Racineschen Alexandrinern, eine Dame isst Kuchen. Am Schluss sind alle Beteiligten, auch Les Rita Mitsouko im Hotel Terminus versammelt, nehmen aber keine Notiz voneinander. Die letzten Bilder zeigen den Vorführraum eines Kinos. Das Licht besiegt die Finsternis. "Von hinten." Tückischer Film. (Thierry Chervel)