SHANG SHAN

V' 03

SHANG SHAN

ON THE MOUNTAIN

Zhu Chuanming
VR China, 2003
Spielfilme, 99min, OmeU

SHANG SHAN

Zhu Chuanming
VR China, 2003
Spielfilme, 99min, OmeU

Drehbuch: 
Zhu Chuanming
Ton: 
Qu Tiejun
Kamera: 
Zhu Chuanliang
Schnitt: 
Wang Shiqing

Produktion: 
Zhu Chuanming liuaiguo@vip.sina.com
Weltvertrieb: 
Zhu Chuanming liuaiguo@vip.sina.com
Format: 
Video (Betacam SP)
Farbe

Bis zu den Schultern stehen die drei Menschen im Getreidefeld und schneiden Korn. Bedächtig streichelt der alte Mann, der vor dem Haus auf einer kleinen Bank sitzt, eine Katze. Die Frau, die das Füttern der Tiere erledigt, leert den Schweinen ihr Fressen in den Trog. Gemeinsam leben sie im Gebirge in einem alten Haus, das schon etlichen Wintern hat trotzen müssen. Es ist Herbst, und die Tage sind ruhig, die Vorbereitungen auf den Winter haben bereits begonnen. Und doch ereignet sich in der scheinbaren Langeweile für den jungen Bang vieles. Nichts, was man gemeinhin als spektakuläres Ereignis bezeichnen würde, sondern Dinge, die das Leben bestimmen: Eine Freund verlässt sein Zuhause auf der Suche nach Arbeit; eine heimliche Liebe für eine junge Frau erwacht; der Großvater stirbt, noch ehe der Winter ins Land gezogen ist. In langen, ruhigen Einstellungen beschreibt Zhu Chuanming das Leben auf dem Berg. Er nimmt sich die Zeit, den Blick auf das Alltägliche zu werfen, auf die kleinen Dinge des Lebens. Und das ist keineswegs ein langsames, wie man meinen könnte: Ununterbrochen sind die Menschen hier beschäftigt, und wie es scheint, gibt es für alles eine richtige Zeit: um Alkohol und Zigaretten einkaufen zu gehen, um am Familientisch gemeinsam zu essen, um Fische zu fangen. Zhu Chuanming erzählt somit einen kleinen Ausschnitt einer großen Geschichte, geht mit Bang ein kurzes Stück des Weges und lässt einen dabei immer spüren, dass er Begleiter sein möchte, aber nicht neugieriger Beobachter. Denn stets bleibt die Kamera auf Distanz, versucht nie, uns Gesichter, Hände oder Gegenstände durch bloße Nähe interessanter machen zu wollen. Im Gegenteil: Zhu geht es um das Eingebettetsein im großen Ganzen es sind nicht die Menschen, die den Rhythmus vorgeben, sondern die Landschaft, die Arbeit und die Zeit. So wie die zwei Männer im Steinbruch beinahe am oberen Bildrand verschwinden oder der Großvater unbeweglich zwischen den Büschen steht, bis plötzlich Bang kommt und ihn auf die Schultern nimmt wieder ist der Großvater allein zum Grab seiner verstorbenen Frau gegangen und muss zurückgetragen werden. Shang shan ist ein ruhiger, kraftvoller Film. Die innere Spannung beginnt sich hier allmählich auf den Zuschauer zu übertragen, und wenn nach knapp hundert Minuten der erste Schnee auf das alte Haus fällt, möchte man kaum glauben, wie schnell es Winter geworden ist. (Michael Pekler)