UNE CHAMBRE EN VILLE
ZIMMER IN DER STADT, EIN
Une chambre en ville knüpft mit der Demy eigenen Technik an die Tradition seiner «Singfilme» an. Dieses Werk aber ist ein in jeder Hinsicht gewaltsameres, viel härteres als Les Parapluies de Cherbourg, mit welchem der Vergleich vielleicht obligat ist. Der Film beginnt (und schließt auch ab) mit einer gesungenen Konfrontation zwischen Streikenden und Polizisten in Nantes 1955, die das formale Prinzip des Filmes mit extremer Brutalität aufzwingt: Man empfindet es buchstäblich als Vergewaltigung, und diese Vergewaltigung ist der Preis, den man zahlen muss, um auf eine andere Seite des Spiegels zu kommen, in die «gesungene» («en chanté»), wenn auch nicht verzauberte («enchanté») Welt des Films. Es gibt keine Sanftheit in Un chambre en ville. Nichts mehr von den Pastellfarben und Halbtönen, von der schmerzlichen Zärtlichkeit, die man Demy im Allgemeinen zugesteht. Die Beziehungen zwischen den Personen sind, von wenigen Ausnahmen abgesehen (Dambiel, dargestellt von Jean-François Stévenin) rau, aggressiv, brutal, gemein und sogar blutig. Die Figur der Edith lässt die - in der Zeit, in der das Drama spielt, noch lebenden - Mythen der femme fatale und der leidenschaftlichen Liebe, mit ihrem Gefolge von Blut, Erotik und Tod auferstehen. Die Bosheit oder vielmehr die Grausamkeit dominieren auffallend in dieser Liebesgeschichte, diesem lodernden Melodrama. (Pascal Bonitzer, Stadtkino-Programm Nr. 84) Ich bin immer gegen den Strom geschwommen. Was ist eine Mode, was heißt «in» sein? Diese Sprache kann ich nicht verstehen. Ich bin ich, und ich versuche in meiner Ecke - brav - mein eigenes Süppchen zu kochen, und dabei gebe ich mir viel Mühe. Wenn ich Une chambre en ville vor zehn Jahren gemacht hätte, wäre das genauso gewesen. (Jacques Demy, Stadtkino-Programm Nr. 84)
- Fabienne Guyon
- Anna Gaylor
- Dominique Sanda - Edith Leroyer
- Richard Berry - François Gilbaud
- Danielle Darrieux - Margot Langlois
- Michel Piccoli - Edmond Leroyer
- Jean-François Stévenin - Dambiel
- Jacques Demy
- Jean Penzer
- André Hervée
- Sabine Mamou
- Michel Colombier
- Bernard Evein
- Danielle Darrieux/Fabienne Guyon/Florence Davis/Liliane Davis/Marie-France Roussel/Jacques Revaux
- Rosalie Varda
- Jacques Demy
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