CHACONNE D'AUSCHWITZ

V'99

LA CHACONNE D'AUSCHWITZ

JOHANN SEBASTIAN BACH IN AUSCHWITZ

Michel Daëron
F, 1999
Dokumentarfilme, 100min,

LA CHACONNE D'AUSCHWITZ

Michel Daëron
F, 1999
Dokumentarfilme, 100min,

Drehbuch: 
Michel Daëron
Ton: 
Olivier Le Vacon
Kamera: 
Jacques Bouquin
Schnitt: 
Eva Feigeies
Musik: 
Martin Friedel

Produktion: 
Les Films d'lci
Weltvertrieb: 
Les Films d'lci
Format: 
35 mm
Farbe

La Chaconne d'Auschwitz beginnt an einem Strand. Helene erzählt, wie sie bei ihrer Ankunft im Konzentrationslager für das Orchester ausgewählt und gerettet wird, während ihr jüngerer Bruder verloren ist. Mit ihr zusammen bezeugen Violette, Anita, Flora, Hilde, Regina, Sylvia, Margotte, Eva, Yvette, Zosia und Helena diese schreckliche Auswahl, die sie rettet, aber sie oft auch bedrückt und ihnen Schuldgefühle gibt. Es ist auch - im Hintergrund - das Porträt von Alma Rose, der alle das Leben verdanken,
der Nichte von Gustav Mahler, die die aus ganz Europa stammenden Mitglieder dieses improvisierten Orchesters dirigiert. Das Orchester spielte bei der Ausgabe der Kommandos, bei denen die Nazis die zur Arbeit gehenden Frauen zählten, sowie am
Sonntag zur "Ablenkung" der Gefangenen oder der SS selbst. Für die Cellistin Anita ist die Musik wie eine Zuflucht, die ihr "eine Methode bietet, sich in einer Kugel einzuschließen". Tatsächlich gibt es für sie kein Bild und kein Wort, das die Schrecken der Konzentrationslager ausdrücken könnte. Für Helene schien jeder Tag wie der andere zu sein - bis zu jener Nacht, in der sie einen Lastwagen mit "lebendigen Leichen" gesehen hat, die unter Absingen von Trauerpsalmen in die Gaskammer gingen. Sie  erinnert sich an die Nacht, in der sie bei der Selektion der Konvois aus Ungarn spielten und damit indirekt am Werk des Todes teilnahmen. Margotte spricht unverblümt von der feindseligen Reaktion der Gefangenen darauf, sich diese leichte Musik anhören zu müssen. Eva fragt sich ihrerseits, wie es ihr möglich war, in einem solchen Zusammenhang zu singen. Und eine andere Zeugin erinnert sich an ihre Bemerkung bei der Ankunft im Lager: "Es ist ja gar nicht so schlecht hier, wenigstens haben wir Musik." Zu allem kam noch das Gefühl dazu, die Leute zu täuschen. "Wir haben den Deutschen geholfen, sie zu täuschen, bis zum letzten Augenblick." So fragen sich einige heute noch nach ihrem Anteil an der Verschleierungstaktik der Nazis. (Bertrand Bacque)