CENTRAL DO BRASIL
CENTRAL STATION
Walter Salles’ Odyssee von Rio de Janeiro in den Sertão im Nordosten des Landes hat alles, was ein gutes Road Movie auszeichnet: ungebändigte Reise- und Erfahrungslust, ein ungleiches Paar, das sich während des Trips einander annähert, eine attraktive Scope-Kamera, die unbekannte Regionen Brasiliens einfängt, einen glaubwürdigen dramatischen Konflikt, wunderbar spielende Hauptdarsteller und den Sog des unbestechlichen Blicks auf ein Land, das seine Wurzeln verloren hat. Szenen aus dem Treiben auf dem Hauptbahnhof von Rio sind geschickt vermischt mit der Arbeit der ehemaligen Lehrerin Dora, die Briefe für Analphabeten schreibt, sie willkürlich sortiert und (vielleicht nie) abschickt. Als eine ihrer Kundinnen vor dem Bahnhof überfahren wird, will Dora deren plötzlich verwaisten Sohn erst loswerden, besinnt sich aber, raubt Josué aus einer zweifelhaften Adoptionsstelle und tritt mit ihm den langen Weg zu seinem Vater an, der irgendwo im riesigen Sertão arbeitet - und sich in die Vergessenheit säuft. Die äußerst spannende Reise von Dora und Josué, während der sie Trucker, Raststätten, religiöse Feiern, mythisch umwehte Felsen, Märkte, moderne Sozialwohnungssiedlungen für die Kinder der Pioniere, Handwerker und Händler kennenlernen und sich erfindungsreich ums Geldverdienen bemühen, ist ein Glanzstück: präzise, pointiert, problembewusst und ohne Wiederholungen auf die Identitätssuche einer alten Frau und des Jungen ausgerichtet, mitten in einer vaterlosen Gesellschaft, die an Theo Angelopoulos’ Meisterwerk Landschaft im Nebel erinnert. (Hans Gerhold)
Heute wissen wir, dass Patentrezepte für den "großen Sprung nach vorne" nur in amtlichen Statistiken und elektronischen Massenmedien funktionieren. Deshalb will mein Film auch kein "Land mit Zukunft" aufspüren, sondern eine Gesellschaft, der Begriffe wie Mitleid und Menschenwürde noch etwas bedeuten. (Walter Salles)
- Fernanda Montenegro - Eurídice in the present
- Marilia Pêra
- Vincius de Oliveira
- Walter Salles
- João Emanuel Carneiro
- Marcos Bernstein nach einer Geschichte von Walter Salles
- Walter Carvalho
- Jean-Claude Brisson
- François Groult
- Bruno Tarriere
- Isabelle Rathery
- Felipe Lacerda
- Antonio Pinto
- Jacques Morelenbaum
- Cassio Amarante
- Carla Caffé
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