16. BIS 28. OKTOBER
Joanna Hogg hat in ihrem Trailer für die Viennale eine energische Botschaft kinematografisch auf den Punkt gebracht und sich damit zugleich als Filmemacherin auf Neuland gewagt. Ihr fast völlig im Alleingang umgesetzter kleiner Film, für den sie selbst vor der Kamera stand (und im Hintergrund die Fäden zog), setzt ein Zeichen, das nicht nur klar, sondern in seiner Ausdruckskraft auch sehr stark ausfällt. AWAKENING – eine Idee, die die Energie des Augenblicks bündelt.
Grundlage für das Sujet des diesjährigen Festivals ist ein Motiv aus dem Mittelalter, das illustrieren soll, wie unklar Verhältnisse sein können und wie leicht umkehrbar sie sind. Denn es ist nicht eindeutig, wer hier Jäger und wer Gejagter ist. Und unter den vielen Versionen und Interpretationen, die dieses Bild durch die Jahrhunderte hinweg erfahren hat, gibt es auch jene, die den Gedanken formulieren, dass aus einer Jagd eine Begegnung werden kann – und dass unsere Erwartungen möglicherweise nichts als Vorurteile sind.
Wie in jedem Jahr setzt sich unser Filmprogramm auf ebenso tiefgreifende wie aufrichtige Weise mit der Unruhe und den Erschütterungen auseinander, die unsere Gegenwart bewegen – ohne dabei die große Tradition des Kinos aus dem Blick zu verlieren.
Außerdem dürfen wir unseren neuen Präsidenten willkommen heißen, dessen jüngster Film MIROIRS NO.3 die 63. Viennale eröffnen wird. Es ist eine große Freude, mit Christian Petzold unsere Sichtweise auf das Kino zu teilen, über die Zukunft und die Verantwortung des Festivals mit ihm zu diskutieren und diese in ihren unterschiedlichen Aspekten anzugehen.
Das gesamte Programm finden Sie hier!
VIENNALE TALKS & VIENNALE GÄSTE
Neben zahlreichen Publikumsgesprächen im Anschluss an die jeweiligen Vorführungen gibt es weiteren Raum für Begegnungen; hervorgehoben sei hier jene zwischen Ruth Beckermann und Avi Mograbi im Anschluss an das Special Screening seines Films THE FIRST 54 YEARS. AN ABBREVIATED MANUAL FOR MILITARY OCCUPATION. Diese Begegnung soll dem Austausch über die dramatische Lage im Nahen Osten dienen und dem Umstand Rechnung tragen, dass es in diesem Kontext keine einheitlichen, geschweige denn einfache Positionen gibt. Ausgewählte Talks mit Regisseurinnen finden darüber hinaus im Kinosalon im Metrokino statt; ausgerichtet jeweils mit Drehbuchforum Wien, Regieverband und, dies Jahr erstmals, FC Gloria.
Eine Übersicht aller VIENNALE TALKS finden Sie hier!
Die Viennale freut sich darauf, zahlreiche Regisseur:innen und Branchenvertreter:innen als Gäste aus aller Welt sowie aus Österreich in Wien begrüßen zu können.
Besonders hervorgehoben sei die Vorführung von IN-I IN MOTION, bei dem die herausragende Juliette Binoche erstmals Regie führte. Als Ehrengast der Viennale wird Juliette Binoche ihren Film persönlich in Wien vorstellen.
Eine Übersicht aller Gäste finden Sie hier!
TEXTUR
Der achte Band unserer Schriftenreihe „Textur“ ist einer Künstlerin gewidmet, an der kein Weg vorbeiführt: der argentinischen Drehbuchautorin und Regisseurin Lucrecia Martel. Wir nehmen die Premiere ihres jüngsten Films NUESTRA TIERRA (LANDMARKS) bei den Filmfestspielen in Venedig (und auch hier bei der Viennale) zum Anlass, uns in einer Publikation mit Martels kreativem Prozess zu beschäftigen. Entlang eines kontinuierlich und konsequent (er)forschenden Wegs hat ihr Schaffen bereits verschiedene Phasen durchlaufen – und bleibt dabei doch kohärent in seinem Erkenntnisinteresse. Luciano Monteagudo und Eduardo Cadava nähern sich Martels Œuvre in ihren jeweiligen Essays aus zwar unterschiedlicher, einander jedoch gut ergänzender Perspektive an. Wertvolle Anregungen darüber hinaus bietet das Gespräch mit zwei wichtigen Mitarbeiter:innen Martels: der Regisseurin und Schauspielerin Maria Alché sowie Ernesto de Carvalho, einem der Kameramänner ihres letzten Films.
Weitere Beiträge stammen von Regiekollegen wie Sylvain Zürcher und Kleber Mendonça Filho sowie den Filmrespektive Kunst-Kritikern J. Hoberman und Cuauhtémoc Medina. Zur visuellen Bereicherung durch Fotomaterial, Skizzen und Notizen tragen Apichatpong Weerasethakul und Kamal Aljafari bei. Und aus der Sphäre der literarischen Inspiration stammen zwei Erzählungen von Eduardo Quiroga, die Lucrecia Martel sehr schätzt. Die vorangegangenen sieben in der Reihe Textur veröffentlichten Bände sind gewidmet: Angela Schanelec, Kelly Reichardt, Terence Davies, Darezhan Omirbayev, Alain Guiraudie, Lisandro Alonso und Roberto Minervini.
TEXTUR #8 – DEMNÄCHST ERHÄLTLICH!