09 Juni 2026

Kino wie noch nie & Viennale Favorites 2026

Open Air Augartenspitz | Foto © Sabine Maier

Open-Air-Kino im Augarten

Auch im Sommer 2026 wird der Naturgarten des Filmarchiv Austria wieder zur Bühne für eines der stimmungsvollsten Open-Air-Kinos in Wien: Kino wie noch nie. Zwischen Bäumen, unter freiem Himmel und mitten in der Stadt entstehen besondere Kinoabende – mit Klassikern, internationalen Highlights und neuen filmischen Entdeckungen.

Das Open-Air-Kino im Augarten verbindet Filmkultur und Stadtraum und zählt zu den Fixpunkten des Wiener Kinosommers. Die Filme laufen unter freiem Himmel und werden an den jeweils beiden Folgetagen im Metro Kinokulturhaus wiederholt.

Viennale Favorites 2026: Festivalhighlights unter freiem Himmel

In Kooperation mit dem Filmarchiv Austria bringt die Viennale auch 2026 wieder ausgewählte Highlights aus dem letzten Festivalprogramm als Viennale Favorites zurück auf die große Leinwand – als Open-Air-Screenings in Wien.

Drei Filme, drei Wiederbegegnungen mit dem internationalen Gegenwartskino:

Sa, 4. Juli, 21.30 Uhr
IT’S NEVER OVER, JEFF BUCKLEY
R: Amy Berg, USA 2025, 106 min, OmdU

Filmstill aus IT'S NEVER OVER, JEFF BUCKLEY. Ein Mann steht an einem Mikrofon.

1997 ertrank bei einem Badeunfall im Alter von nur dreißig Jahren der US-amerikanische Singer-Songwriter und Gitarrist Jeff Buckley. Sein einziges zu Lebzeiten veröffentlichtes Album „Grace“ wurde zu seinem Vermächtnis und eine schockierte Musikwelt trauerte. Mit viel Emphase vollzieht Berg, der von Buckleys Mutter umfassender Zugriff auf den Nachlass ihres Sohnes gewährt wurde, den keineswegs unbeschwerten Lebensweg des charismatischen Sängers nach. Freund:innen, Kolleg:innen und Bewunderer kommen in Interviews zu Wort und in Archivaufnahmen singt Buckley einige seiner schönsten Songs, mit dieser einzigartig empfindsamen Stimme – die fehlt. (Nada Torucar)

Mi, 8. Juli, 21.30 Uhr
SORRY, BABY
R: Eva Victor, USA/ES/FR 2025, 103 min, OmdU

eine Frau hällt eine graue Babykatze hoch und schaut ihr direkt ins Gesicht.

Als Hauptdarstellerin, Regisseurin und Drehbuchautorin erzählt Eva Victor das Drama der 28-jährigen Intellektuellen Agnes, die nach einem sexuellen Übergriff auch noch in die Zwickmühlen universitärer Rivalität gerät. Agnes ist, im Gegensatz zu ihrer besten Freundin Lydie, die zu Besuch aufs Land kommt, eine unbeholfene Figur, was sich auch formal in einer fragmentarischen Struktur widerspiegelt. Rund um das Horrorfilm-Motiv des abgelegenen Hauses und mit (eventuell unbeabsichtigten) Verweisen auf eine spezifisch US-amerikanische Prüderie verhandelt Victor die Frage, wo Konsens endet und Missbrauch beginnt. (Anna Katharina Laggner)

Sa, 11. Juli, 21.30 Uhr
NOUVELLE VAGUE
R: Richard Linklater, FR 2025, 105 min, OmdU

In Schwarz Weiß: Eine Frau mit kurzen Haaren und einem ärmellosen Kleid und ein Mann mit Anzug sitzen auf einer Bank, sie rauchen beide. Hinter ihnen ist eine Spiegel, in der Spiegelung sieht man dass sie sich in einem Lokal befinden.

Die Ideen waren eigenwillig und die Umstände beim Dreh mitunter abenteuerlich! 1960 stellte Kino-Revoluzzer Jean-Luc Godard mit seinem Debüt À BOUT DE SOUFFLE die Konventionen auf den Kopf – und schrieb Filmgeschichte. In NOUVELLE VAGUE zeichnet Richard Linklater diese Entstehungsgeschichte nach und schweift dafür in die späten 1950er Jahre zu den Anfängen der gleichnamigen Kinobewegung. Seinen Schwarzweiß-Spielfilm lässt er dabei aussehen wie ein Werk aus der Zeit und streut zudem zahllose Anspielungen und Namen berühmter Regiegrößen ein. Je mehr man über die Nouvelle Vague weiß, desto mehr Spaß macht diese charmante Hommage. (Sascha Rettig)

So, 26. Juli, 21.30 Uhr
THE MASTERMIND
R: Kelly Reichardt, USA 2025, 110 min, OmdU

Filmstill von THE MASTERMIND

Der arbeitslose JB geht mit seiner Familie gerne ins Museum von Framingham, Massachusetts, in dem das Aufsichtspersonal vor sich hin döst und die Werke nicht gesichert sind. Also raubt er die Gemälde von Arthur Dove, versucht sie zu verhökern und leitet damit das Ende seiner kleinbürgerlichen Existenz ein. Reichardts langjährige Arbeit am Genre setzt sich hier mit dem Heist-Movie fort. Herausgekommen ist ein dezenter, zugleich an Tarantino und Rohrwacher erinnernder Pop noir: Von einem subtilen Jazzsoundtrack getragen werden die Siebzigerjahre mit Fast Food, Autoschlitten und den Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg pointiert mitinszeniert. (Dunja Bialas)

So, 2. August, 21 Uhr
EOJJEOL SUGA EOPDA (NO OTHER CHOICE)
R: Park Chan-wook, Südkorea 2025, 139 min, OmdU

Filmstill of Eojjeol suga eopda

Ein Film über die Verzweiflung eines hingebungsvollen Angestellten der Papierindustrie, der urplötzlich arbeitslos wird – in den Händen von Park Chan-wook wird die Kritik an der Unmenschlichkeit des Kapitalismus zu einer so überraschenden wie visuell außergewöhnlichen Angelegenheit. Während der Familienvater seine Mitbewerber auf dem Arbeitsmarkt systematisch ausschaltet, schweift die Adaption von Donald Westlakes Roman „The Ax“ unberechenbar umher: als wildes Sozialdrama über die Zerreißprobe einer Familie in ökonomischer Not, das zwischen tiefschwarzer Satire, groteskem Horrorthriller und krassen Gewalteruptionen changiert. (Sascha Rettig)

Mi, 5. August, 21 Uhr
THE HISTORY OF SOUND
R: Oliver Hermanus, USA 2025, 129 min, OmdU

Filmstill of The History of Sound

Aufgeladene Blicke, Pausen und vor allem: musikalische Harmonie. Von den vertrauten Klängen seiner Kindheit angetan, verschlägt es Lionel zu David ans Klavier einer Studentenkneipe, wo sie auf Anhieb ihrem gemeinsamen Liebestakt verfallen. Der Vergänglichkeit entgegenstrebend halten sie die Geschichte ihres Landes in den Stimmen der Landsleute auf einer melancholischen Wanderung für die Nachwelt fest. Gefangen in den (Nach-)Wirkungen des Krieges folgen sie gemeinsam, wie getrennt, den Worten einer Mutter: »Life’s only troubles, you could get sad, or you could sing about it.« Das Kino wird hier buchstäblich zum Resonanzkörper einer Liebe, die sich nur entfalten kann, wenn man den Mut findet, sich selbst nicht im Weg zu stehen. (Lien May Lucas)

Spielorte Kino wie noch nie 2026

Open Air Augarten 
Garten des Filmarchiv Austria 
Obere Augartenstraße 1e, 1020 Wien 
25. Juni bis 29. Juli: Filmbeginn 21.30 Uhr 
30. Juli bis 30. August: Filmbeginn 21 Uhr

METRO Kinokulturhaus (Film-Wiederholungen an jeweils beiden Folgetagen)
Johannesgasse 4, 1010 Vienna

Tickets

Online-Ticketkauf unter filmarchiv.at, an der Open-Air-Kinokassa (ab 25.6.) sowie täglich ab 14 Uhr im METRO Kinokulturhaus.