Ungefähr 50 Kilometer südlich der kubanischen Hauptinsel befindet sich die Isla de la Juventud („Insel der Jugend“), die siebtgrößte Landmasse der Karibik. Im Laufe der Jahre hat die Insel verschiedene Namen getragen. Frühe Siedler aus Jamaika und Venezuela nannten die Insel Siguanea. Christopher Columbus nannte sie bei seiner Landung 1494 „La Evangelista“ bevor sie in spanischen Aufzeichnungen als „Isla de Pinos“ (Pinieninsel) auftauchte. Der Name hing natürlich mit der großen Zahl an Nadelbäumen auf der Insel zusammen.
Wieder später, als die Insel von Korsaren und Freibeutern beherrscht wurde und unter anderem Francis Drake auf der Insel auftauchte, wurde sie auch Parrot Island genannt. Das sich in Kuba hartnäckig haltende Gerücht, dass Robert Louis Stevensons Schatzinsel von dieser Insel inspiriert ist, muss jedoch entkräftigt werden.
Obwohl die Spanier die Insel besiedeln und landwirtschaftlich nutzen wollten, mussten sie schnell von ihrem Plan abrücken, weil Piraten die höhlen- und flussreiche Insel für sich beanspruchten. Nach einiger Zeit transformierten die Europäer die Insel zu einer Strafkolonie. In den 1860ern schlugen erste us-amerikanische Touristen auf, um die Mineralbäder auf der Insel zu genießen. Im Spanisch-Amerikanischen Krieg entdeckte Washington dann die Vorteile der Insel als Satellit im Meer für sich. Eine Welle der Besiedelung begann, die 1925 abrupt endete, als die Insel zurück an Kuba gegeben wurde. Nach weiteren gescheiterten Besiedelungsversuchen der USA bis in die 1950er Jahre gibt es heute nur noch die Ruinen eines us-amerikanischen Friedhofs, die auf diese Zeit verweisen.
Kuba wandelte die Insel erneut in ein Gefängnis um, indem 1953 auch ein gewisser Fidel Castro einsaß, der zuvor mit einem Coup-Versuch scheiterte.. 19 Monate verbrachte er auf der Insel. Vier Jahre später übernahm Castro die Macht und transformierte die Insel in einen freien Hafen mit täglichen Flügen nach Havanna. In den 1970ern erträumte der Staatschef eine Insel der Jugend, die dort in internationalen Schulen marxistische Theorien und Spanisch lernen sollten. 1978 nannte Castro die Insel in Isla de la Juventud um. Insgesamt wurden 61 Schulen auf der Insel errichtet. Sie beherbergten vor allem Kinder aus afrikanischen Ländern, die dort unter anderem die Landwirtschaft vorantreiben sollten. In dieser Zeit ist der Film UNA ISLA PARA MIGUELvon Sara Gómez angesiedelt. Heute ist nicht mehr viel übrig von diesen Schulen.
Heute kämpfen die wenigen verbliebenen Bewohner der Insel um Perspektiven. Tourismus wäre möglich, aber die isolierte Lage stellt ein Hindernis dar. Außerdem frequentieren häufige Hurricanes die Insel. Grapefruits werden angebaut und die Fischerei stellt für manche noch immer ein Einkommen dar. Ungefähr 80000 Menschen leben auf der Insel, die Zahl ist absteigend.
Wie bei so vielen Orten, die Filmemacher*innen festgehalten haben, entpuppen sich die sozio-politischen Realitäten bei historischer Betrachtung als flüchtig. Der Lauf der Geschichte macht niemals halt, nur im Kino haben wir Zeit, die Zeit anzuhalten und zurückzuschauen.