Aus dem Herzen der Welt

SAMANAJ

Bolat Scharip
Kasachstan, 1997
87min
V'01

Einer der wenigen kasachischen Filme, den man als eine Art «nationalen» Film bezeichnen könnte; er wurde auch mit staatlichen Mitteln finanziert. Die Geschichte basiert auf einem Roman von Saken Dschunosow über den Massenexodus der Kasachen nach der grausam erzwungenen Kollektivierung der frühen 30er Jahre. Die Heldin des Films, dessen Titel wörtlich übersetzt «Schwere Zeiten» heißt, ist die Tochter eines reichen Dorfherren, der von den Soldaten der Roten Armee ermordet wurde. Zusammen mit anderen Oppositionellen macht sie sich auf die gefährliche Reise nach China. Die Flüchtlinge wollen sich dort eine neue Heimat schaffen. Viele Jahre später, als alte Frau, beschließt sie, nach Kasachstan zurückzukehren, das jetzt ein freies Land ist. Ohne Wissen ihrer Schwiegertochter nimmt sie ihren kleinen Enkel mit, um ihm «sein Land zurückzugeben». Das ungleiche Paar erklimmt mit letzter Kraft die Bergesgipfel, und da, unter ihnen, sehen sie die grünen Hügel des gelobten Landes. Der bewegende Effekt der Schwarzweißaufnahmen des historischen Teils wird noch verstärkt durch die Montage von authentischem Dokumentarmaterial mit inszenierten Passagen. Die Geschichte, die in der Gegenwart spielt, wurde in Farbe gedreht, in einem ungewöhnlich poetischen Stil. Samanaj ist in jeder Hinsicht ein bemerkenswertes Unterfangen, vor allem aber deswegen, weil es sich um einen der wenigen Filme aus dem zentralasiatischen Raum handelt, der sich explizit mit der Geschichte seines Landes während der Sowjetära befasst. Unter Stalin erzwangen die Kommunisten die Kollektivierung der Landwirtschaft in Sowchosen und Kolchosen und ordneten an, die einzelnen Bauerngehöfte abzureißen und geschlossene Dörfer zu bauen. Die gewaltsame Sesshaftmachung von Nomaden in den 30er Jahren zerrüttete die Viehwirtschaft des Landes und führte zu einer großen Hungersnot. Zwischen eineinhalb und zwei Millionen Kasachen kamen damals ums Leben; viele flüchteten nach China, ehe Kasachstan 1936 zur Unionsrepublik wurde. Bolat Scharip setzt zum Teil rares Archivmaterial ein, um die Ereignisse der Vergangenheit zu illustrieren. Bemerkenswert ist auch, dass er das Geschehen aus der Sicht einer Frau schildert. (Roger Wellesley)

Credits
  • Samasagul Scharipowa
  • Gulnara Sejtembetova
  • Erik Dscholdschaksinow
  • Aristan Kikimow
  • Serik Schubandykow
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