PETULIA

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PETULIA

Richard Lester
USA, 1968
Spielfilme, 105min,

PETULIA

Richard Lester
USA, 1968
Spielfilme, 105min,

Mit: 
Julie Christie
George C. Scott
Richard Chamberlain
Drehbuch: 
Lawrence B. Marcus nach dem Roman Me and the Arch Kook Petulia von John Haase; Adaption: Barbara Turner
Ton: 
Francis E. Stahl
Kamera: 
Nicolas Roeg
Schnitt: 
Anthony Gibbs
Musik: 
John Barry
Ausstattung: 
Tony Walton
Kostüm: 
Arlette Nastat
Tony Walton

Produktion: 
Richard-Lester-Ray-Wagner-Production/ Warner-Seven Arts
Weltvertrieb: 
Warner Bros. International
Verleih in Österreich: 
Warner Bros.
Format: 
35 mm
Farbe

Petulia, eine Jungverheiratete Frau im San Francisco der 60er Jahre, wird von ihrem reichen, neurotischen Mann misshandelt und sucht Geborgenheit bei Archie, einem Arzt, dem sie schon bei der ersten Begegnung im Beisein des Gatten einen Heiratsantrag macht. Archie, frisch geschieden, laboriert noch an seinem angeknacksten Emotionshaushalt und will vorerst wieder einmal «etwas empfinden». Mit Petulia wechselt Lester vom Swinging London in die Gegenkultur San Franciscos. Es ist ein cleverer, seltsamer Film, gefilmt von Nicolas Roeg und sehr in seiner Zeit verhaftet, aber doch mit genug Ernsthaftigkeit in Lesters komischen Techniken und gesellschaftlichen Beobachtungen, um als ein auch heute noch relevanter Film gelten zu können. (Tony Stafford)

Filme wie Lesters psychologisch suggestiver und sehr stilbewusster (exzessiver Einsatz von Flash Cuts, eine zersplitterte Erzählweise) Petulia sind primär daran interessiert, die Gefühllosigkeit, krasse Dummheit und Vergesslichkeit der amerikanischen Gesellschaft in den 60er Jahren zum Gegenstand einer Satire zu machen. Der Film gewährt auch kurze, unerfreuliche Einblicke in die Gegenkultur; Lester beschreibt deren Anhänger als ebenso gleichgültig und übellaunig wie die Vertreter der konventionellen Mittelklassegesellschaft und gibt wenig Hoffnung auf eine soziale Alternative. (Leonard Quart/Albert Auster)

Es dauerte bis 1968, ehe Lester in sein Heimatland zurückkehrte und mit Petulia seinen ersten amerikanischen Film machte, einen Film, der perfekt die damalige Stimmung im Lande einfing. Nur wenige kurze Monate nach dem «Summer of Love» untersucht Petulia den sexuellen Umbruch, den dieser hervorbrachte, und die Verwirrung, die durch die Beseitigung von kulturellen und moralischen Bezugspunkten entstanden war. Petulia verbindet den visuellen Humor Lesters mit einem pessimistischen Blick auf die «Romantik» und erweist sich bis heute als eindrucksvoller Blick auf die damalige Konfusion. Mit Vietnam live im Fernsehen, den Grateful Dead, Janis Joplin und Big Brother and the Holding Company live im Film, ist dies einer der nüchternsten romantischen Filme der 60er Jahre. (Bob McCabe)