NICHT OHNE RISIKO (OF)

V' 04

NICHT OHNE RISIKO (OF)

Harun Farocki
D, 2004
Dokumentarfilme, 52min,

NICHT OHNE RISIKO (OF)

Harun Farocki
D, 2004
Dokumentarfilme, 52min,

Drehbuch: 
Matthias Rajmann
Harun Farocki
Ton: 
Matthias Rajmann
Kamera: 
Ingo Kratisch
Schnitt: 
Max Reimann

Produktion: 
Harun Farocki Filmproduktion Pfarrstrasse 96 10317 Berlin, Deutschland T 30 553 36 43 F 30 577 940 19 hfarocki@compuserve.com
Weltvertrieb: 
Harun Farocki Filmproduktion Pfarrstrasse 96 10317 Berlin, Deutschland T 30 553 36 43 F 30 577 940 19 hfarocki@compuserve.com
Format: 
Video (Digi Beta)
Farbe

Was Venture Capital, kurz VC, deutsch Risiko-Kapital ist, wird im Film selbst erklärt: Von einer Bank bekommt man Geld nur gegen Sicherheiten. Wer die nicht hat, muss sich an VC – Gesellschaften wenden, und zahlt dafür 40% Zinsen. Mindestens. Wir hatten bei den verschiedensten Firmen Aufnahmen gemacht, bei VC-Gesellschaften, die Projekte diskutieren, bei Unternehmern, die eine Idee in Form bringen wollen, bei Beratern, die die Präsentation einüben. Schliesslich beschränkten wir uns auf eine einzige Verhandlung und benutzten nur das Material, das wir an zwei Tagen drehten. - Den Ausschlag gab für mich der Anwalt der kapitalsuchenden Firma NCTE, die Art in der er sagte: „Wir sind ein bischen enttäuscht über das Angebot“. Er sagte das mit Kampfeslust und es wurde von der Gegenseite ebenso aufgenommen. Ich fühlte mich in einen Film der Coen-Brothers versetzt. - Die Akteure in unserem Storyfilm sind geistesgegenwärtig und voller Darstellungslust. Sie verhandeln, zu welchen Konditionen 750.000 Euro vergeben werden sollen. Nachdem sie sich zunächst nicht einigen können, weichen sie auf ein allgemeines Gespräch über strategische issues aus. Da wird deutlich, dass die NCTE, Hersteller von berührungslosen Drehmoment-Sensoren schon mit grossen Firmen im Gespräch ist. Und das entzündet die Phantasie, die Welt ist voller Möglichkeiten und es ist eine Lust, diese abzuwägen. Die Seite, die Kapital geben soll beginnt, zum vereinnahmenden „wir“ überzuwechseln. - Vor der nächsten Verhandlungs-Runde entsandten beide Parteien je einen Vertreter zu einer Besprechung, von der wir nichts wussten. Sie einigten sich, aber das hielt beim nächsten Treffen nicht stand. Nochmals kam es zu einer überraschenden Wendung. - Man könnte geneigt sein, die Partei des Erfinder-Unternehmers einzunehmen, Arbeit gegen Kapital. Aber auch er will seinen Betrieb in eine paar Jahren zu Geld machen. - Schon seit über 40 Jahren gibt es das, was man direct cinema nennt. Bei all der heutigen Hochschätzung der Story und der Geringschätzung der Begriffsanstrengung müsste diese Darstellungsform vorherrschen. Philibert ist es mit „Sein und Haben“ gelungen, einen erfolgreichen Dokumentarfilm zu machen, der direct cinema ist, aber das ist die Ausnahme. Der Dokumentarfilm, der die Form der reinen Erzählung wählt, ist notwendig unvermittelt. Ohne Kommentar und ohne sonstige wörtliche Erklärung, will solch ein Film nicht gleich im guten oder schlechten Allgemeinen aufgehen HF.

Der Film wird auch in der OmeU-Fassung gezeigt.