MACAO

V'97

MACAO

Josef von Sternberg (ungenannt: Nicholas Ray)
USA, 1952
Spielfilme, 80min, OF

MACAO

Josef von Sternberg (ungenannt: Nicholas Ray)
USA, 1952
Spielfilme, 80min, OF

Mit: 
Robert Mitchum
Jane Russell
William Bendix
Mit: 
Lieder
Johnny Mercer und Harold Arlen/Jules Styne und Leo Robin
Drehbuch: 
Bernard Schoenfeld
Stanley Rubin nach einer Erzählung von Bob Williams
Ton: 
Clem Portman
A. Earl Wolcott
Kamera: 
Harry J. Wild
Schnitt: 
Samuel E. Beetley
Musik: 
Anthony Collins
Ausstattung: 
Darell Silvera
Albert S. D'Agostino
Harley Miller
Kostüm: 
Michael Woulfe

Format: 
35 mm

Die erste Begegnung zwischen Russell/Benson und Mitchum/Cochran in Macao ist geschäftlich. Er hilft ihr aus einer Situation, sie entlohnt ihn mit einem Kuss. Doch einen Moment zögert sie, schaut ihn an mit einem neugierigen Blick; und diese Sekunde der Ungeschütztheit genügt Nick Cochran: Später lädt er sie zu einer Hafenrundfahrt ein und bittet sie, mit ihm zu leben. Während Mitchum im Blick Russells die Einsamkeit erkannt hat, die noch nicht wunschlos ist, scheint ihr Interesse an ihm kaum verständlich. Ist es sein müder Blick, seine verhaltene Sprungbereitschaft oder sein altersloses Gesicht, das ihn unterscheidet von anderen Männern in ihrem Leben? Seine Streifzüge durch Macao sind unruhig und ziellos; seine Sicht wird immer wieder behindert von wehenden Gazeschleiern und schwingenden Perlvorhängen, die Räume aufteilen und Konturen verschwimmen lassen. Schließlich muss er auf der Flucht vor seinen Verfolgern, die ihn für einen Polizisten halten, sich durch ein Gewirr von Fischernetzen kämpfen, in dem Blicke und Bewegungen sich verfangen und so der richtige Polizist als falscher Mann umgebracht wird - was Mitchum doch noch dessen Auftrag übernehmen lässt. Wie Mitchums Sicht auf die Ereignisse ist unsere Sicht auf ihn eingeschränkt; er bleibt merkwürdig konturlos, scheint sich immer wieder aufzulösen, hinter Gittern und Netzwerk zu verschwinden. Jane Russell jedoch lässt ihn heraustreten aus dem Schatten; ihr Interesse an ihm, ihre Wut über seinen vermeintlichen Verrat machen Mitchum zur Person, verwandeln seine Gleichgültigkeit in Bemühen, seine Langeweile in Hoffnung. Macao ist Jane Russells Film: Unsere Sympathien gehören ihr, deren Haltung von einer Würde zeugt, die sie auch denjenigen zurückgibt, die sich längst aufgegeben haben. (Daniela Sannwald)