FUNERAL

V'03

THE FUNERAL

Abel Ferrara
USA, 1996
99min, Omd/fU

THE FUNERAL

Abel Ferrara
USA, 1996
, 99min, Omd/fU

Mit: 
Christopher Walken
Ray Tempio
Isabella Rossellini
Clara
Vincent Gallo
Johnny Tempio
Annabella Sciorra
Jeannette
Christopher Penn
Chez Tempio
Benicio Del Toro
Gaspare Spoglia
John Ventimiglia
Sali
Drehbuch: 
Nicholas St. John
Ton: 
Rosa Howell-Thornhill
Kamera: 
Ken Kelsch
Schnitt: 
Mayin Lo
Bill Pankow
Musik: 
Joe Delia
Ausstattung: 
Charles Lagola
Kostüm: 
Mindy Eshelman

Produktion: 
October Films 65 Bleecker Street New York, NY 10012, USA T 212 539 40 00
Weltvertrieb: 
MDP Worldwide 1925 Century Park East #1700 Los Angeles, CA 90067, USA T 310 226 83 00
Format: 
35 mm
Farbe

Das Begräbnis, mit dem Ferraras The Addiction sein offenes Ende findet, ist die Ausgangssituation in The Funeral . Ein typischer italienischer Clan findet sich ein, um einen der seinen zu betrauern. Eine knappe Außeneinstellung zu Beginn verweist auf die Zeit der Handlung, die 30er Jahre, ein kurzer Vorspann (Humphrey Bogart in The Petrified Forest ) etabliert den filmhistorischen Bezug zu den Studio-Gangsterfilmen dieser Epoche. Von seinen Vorbildern übernimmt The Funeral seine Struktur, eine in Rückblenden erzählte Geschichte dreier Brüder, die nichtsdestoweniger auf einen ausweglosen Kreislauf der Gewalt hinausläuft: «Give me a reason not to kill you», so flehentlich herrscht Christopher Walken den Mörder seines Bruders an. Er muss ihn dann doch töten, es gilt: Auge um Auge. Der letzte überlebende Bruder unterbricht die ewige Wiederkehr der gleichen Gewalt mit einem Mord. In der Entscheidung zwischen Aufklärung (Gewaltverzicht) und Mythos (Opfertod) zögert The Funeral keine Sekunde. Ferrara bleibt der Traditionalist, als den ihn das Kino so bitter nötig hat. (Bert Rebhandl) Die Ingredienzen von The Funeral lesen sich wie der Inbegriff eines herkömmlichen Mafiaepos 30er Jahre, Familienclan, Morde, Racheprinzip , doch es geht hier um weitaus mehr: Ferrara interessiert sich für die menschlichen Konflikte hinter den genreüblichen Hochspannungsszenen, setzt dort ein, wo in anderen Mafiafilmen nach den publikumswirksamen Schießereien ausgeblendet wird; er beleuchtet die sozialen Gefüge und emotionalen Strukturen seiner Figuren, folgt ihnen nach Hause, in die Familien, in die Schlafzimmer. So wird auch nicht etwa der Moment der Ermordung Johnnys dramatisch in Szene gesetzt; vielmehr rückt seine Beerdigung in den Mittelpunkt des Geschehens als ein Ort, an dem sich Vergangenheit und Gegenwart treffen, an dem die Konsequenzen des ständigen Selbstbetrugs so schmerzlich sichtbar werden und die Zukunft erst noch so offen und voller Möglichkeiten scheint. Gekonnt setzt Ferrara diesen Aspekt in einer Verschachtelung von Rückblicken um, die den Mord an Johnny kausal mit dem Racheakt der Brüder verbindet und somit auch mit der zerstörerischen Familienmaxime. Beinahe feierlich nimmt der Vater die Patronenhülse aus dem Magazin und überreicht sie seinem Sohn: «Trage sie immer bei dir. Sie wird dir das Kostbarste sein, was du je besessen hast.» (Nina Stuhldreher)