Le Livre d'image

VIENNALE 2018

Ein erster Ausblick auf die diesjährige Festivalausgabe von Viennale-Direktorin Eva Sangiorgi

Seit langer Zeit schon verfolge ich die Viennale mit den Augen einer neugierigen und unbedingt loyalen Anhängerin. Und von Beginn an war mein Blick der Blick einer Begeisterten, die sich sogleich zugehörig fühlte; die während und aufgrund der Viennale Gedanken, Meinungen, Gespräche und zahlreiche Tassen Kaffee geteilt hat; die Stunden, Tage und Nächte mit dabei war; die Filme und Begegnungen gefeiert hat; und die die dort entstandenen Beziehungen geschätzt und gepflegt hat. Ich fühle mich als Teil der Viennale-Familie und als Teil von deren Diskurs. Deshalb komme ich zur Viennale mit der Kraft der Leidenschaft – und ich nehme ihren Geist auf, diese Flamme.

Doch wie kann ich nun meine Perspektive diesem Festival gegenüber ändern – diesem Festival, das lange Jahre ein Referenzpunkt, ja fast eine Instanz für mich war –, um es von innen her sehen zu können? Die Antwort liegt zum einen in der historischen Perspektive, im Respekt für das gewachsene Sediment der Viennale, im Erfahrungsschatz, den das Festival in jahrzehntelanger Austausch-Arbeit gesammelt hat. Zum anderen stehe ich mit meiner Auswahl von Filmen – überraschenden, ungewöhnlichen, verlässlichen – mitten in der Gegenwart des Kinos. Und mitten in der Gegenwart von Filmfestivals in aller Welt, mit denen die Viennale eine Welle der Veränderungen, Umstrukturierungen und Neuinterpretationen teilt. Unser Festival ist ein starkes und unverwechselbares Ereignis, das uns Ende Oktober, wenn sich das Jahr dem Ende zuneigt, zusammen bringt, um Rückschau zu halten und um uns Zeit zu nehmen, das Kinogeschehen der vergangenen Monate zu reflektieren. Den Erwartungen entsprechend wird auch das diesjährige Festival die Frucht von Forschung, Suche und – wiederum – Zeit sein. Denn darin liegt die Kraft, die Dinge zu verändern. So dass die Viennale verbunden bleibt mit dieser Zeit kultureller Brückenschläge und kritischer Perspektiven und zugleich durch sie geprägt wird.

Eva Sangiorgi

HAUPTPROGRAMM VIENNALE 2018
Wie bereits verlautbart, werden wir die Unterscheidung zwischen Spiel- und Dokumentarfilmen aufgeben. Dies ist der Versuch, gegen eine Ungerechtigkeit, respektive das Unpräzise einer Kategorisierung anzugehen, die es nach wie vor verabsäumt, der Komplexität der filmischen Sprache, die von den unterschiedlichsten Registern geteilt wird, gerecht zu werden. Viele FilmemacherInnen werden darüber erleichtert sein und das Publikum darf sich auf fruchtbringende Überraschungen freuen, die Anlass zu Überlegungen und Diskussionen geben werden: über die Art und Weise, wie und was Film vermittels Bild und Ton eigentlich ausdrückt.
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Neu bei der Viennale 2018
Die Viennale freut sich bekannt geben zu können, dass die Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Filmmuseum in diesem Jahr deutlich erweitert wird: das Filmmuseum reiht sich unter die Spielstätten der Viennale nicht nur als Heimat der Retrospektive ein, sondern als zusätzliches Festivalkino.
Viennale Direktorin Eva Sangiorgi: „Wir freuen uns sehr, dass das Filmmuseum und die Viennale dieses Jahr ihre langjährige Kooperation weiter ausbauen.“
Michael Loebenstein, Direktor des Österreichischen Filmmuseums: „Das Filmmuseum wird nicht nur Spielort der Retrospektive The B–Film sein, sondern für die Dauer des Festivals auch Specials und Gegenwartsproduktionen zeigen. Eine Gelegenheit für das Publikum, Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukunft des Mediums Film im ‚Unsichtbaren Kino‘ zu erleben.“

Das Viennale Festivalzentrum ist dieses Jahr zum zweiten Mal in der KUNSTHALLE WIEN im MuseumsQuartier untergebracht und erweitert sein Angebot; tagsüber werden vermehrt Gespräche und Lectures den ZuschauerInnen Gelegenheit zum Austausch mit den FilmemacherInnen geben, des Abends darf sich das Publikum wie gewohnt auf Konzerte, Partys und DJ-Lines freuen.
Zuguterletzt: Um all dem Neuen Rechnung zu tragen, erfahren auch Grafik und Layout unserer Drucksorten sowie die Viennale-Website einige sanfte Veränderungen.