Seit über 35 Jahren wandert das VOLXkino durch Wien und bringt Kino dorthin, wo die Stadt lebt: in Parks, auf Plätze, in Grätzl. Auch 2026 macht das mobile Open‑Air‑Kino wieder Station in zahlreichen Bezirken – frei zugänglich, unter freiem Himmel und mit einem vielseitigen Programm: von 10. Juni bis 19. September.
Nach dem erfolgreichen Auftakt der Kooperation im Vorjahr wird die Zusammenarbeit zwischen Viennale und VOLXkino auch heuer fortgesetzt: Die GrätzlVIENNALE geht erneut auf Tour und bringt ausgewählte Filme aus dem letztjährigen Festivalprogramm direkt in den Stadtraum. Ziel ist es, Film‑ und Festivalkultur niederschwellig erlebbar zu machen – im öffentlichen Raum, bei freiem Eintritt und für ein breites Publikum.
Die GrätzlVIENNALE lädt dazu ein, Kino als gemeinschaftliches Erlebnis zu entdecken: als Begegnung, als Austausch, als Moment, der über die Leinwand hinausweist.
Termine der GrätzlVIENNALE 2026
24. Juli 2026, 21 Uhr
17., Dornerplatz
YEK TASADOF-E SADEH (EIN EINFACHER UNFALL)
Jafar Panahi | IR/FR/LU 2025 | 104 min | OmU
Berufsverbot, Hausarrest, Gefängnisstrafe – das iranische Regime hat schon zu drastischen Mitteln gegriffen, um Jafar Panahi von der Arbeit abzuhalten. Filme hat der Regisseur trotzdem immer gemacht – ohne Genehmigung. YEK TASADOF-E SADEH ist da keine Ausnahme. Und er ist so offen politisch und lautstark regimekritisch wie keines seiner Werke zuvor: Ein Familienvater glaubt, in einer Werkstatt den Mann zu erkennen, der ihn einst im Gefängnis folterte – und kidnappt ihn. Über diese Verwicklungen entsteht, voller Wut und Verzweiflung der Opfer, eine aufgewühlte Anklage gegen das System und seine Vollstrecker. Gewinner der Goldenen Palme in Cannes. (Sascha Rettig)
7. August 2026, 20.30 Uhr
16., Kongresspark
IN DIE SONNE SCHAUEN
Mascha Schilinski | DE 2025 | 148 min
In der deutschen Filmlandschaft landet Schilinskis Film wie ein UFO. Nichts sieht hier so aus oder klingt so, wie man es gewohnt ist. Mit radikaler Subjektivität verwebt IN DIE SONNE SCHAUEN vier Zeitebenen zu einem hell-dunklen Mosaik der Sinneswahrnehmungen, Erinnerungen und Traumata. Zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Gegenwart wachsen vier Generationen junger Mädchen und Frauen auf einem Vierseithof in der Altmark auf. Nie weicht die Kamera in diesem Meisterstück privater Geschichtsschreibung von ihrer Seite, wenn sie mit unbedingter Wissbegier die Rituale des Erwachsenenlebens und Mysterien der Sterblichkeit erkunden. (Gerhard Midding)
11. August 2026, 20.30 Uhr
21., An der neuen Donau 1 – Usus am Wasser
THE CHRONOLOGY OF WATER
Kristen Stewart | US/FR/LV 2025 | 128 min | OmU
Kristen Stewarts Spielfilmdebüt basiert auf den Memoiren von Lidia Yuknavitch, deren Kindheit einer Hölle auf Erden glich: vom Vater missbraucht, von der Mutter durch aktives Wegschauen misshandelt. Den für die Jugendliche möglichen Eskapismus in den Leistungssport vereitelt ihr Drogenkonsum. Während der Text aus der literarischen Vorlage aus dem Off gesprochen, geflüstert, gewispert wird, entsteht eine dichte, körperliche Atmosphäre. Die von blitzartig zwischengeschnittenen Bildern durchbrochene Erzählweise mit extremen Close-ups bildet das unberechenbare Muster der Erinnerung selbst nach. Eine eindringliche Beschwörung von seelischer Heilung. (Anna Katharina Laggner)
24. August 2026, 20 Uhr
10., Platz der Kulturen
LA PETITE DERNIÈRE (DIE JÜNGSTE TOCHTER)
Hafsia Herzi | FR/DE 2025 | 106 min | OmU
Fatima ist gläubig; die ruhige, ein wenig verschmitzte Kamera beobachtet sie beim Gebet; Tagesanbruch in irgendeiner Banlieue. Wohnblöcke. Weiter Himmel. Die fröhlich scherzende Familie beim Frühstück. Fatima, die gerne Fußball spielt und in der Schule mehr mit den Jungs rumhängt. Ihre coolen Sprüche schlagen schnell in homophobe Aggressionen um. Ihr Ehemann in spe spricht vom Kinderkriegen. Die Gesten und Blicke der Hauptdarstellerin aber erzählen eine ganz andere Geschichte: Fatima ist drauf und dran, ihre lesbische Seite zu entdecken. Hochverdient wurde Nadia Melliti in Cannes für ihre Fatima mit dem Darstellerinnenpreis ausgezeichnet. (Katja Wiederspahn)
12. September 2026, 19.30 Uhr
03., Schweizergarten
AFFEKSJONSVERDI (SENTIMENTAL VALUE)
Joachim Trier | Norwegen, Frankreich, Dänemark, Deutschland 2025 | 134 min
Gustav Borg ist ein so berühmter wie selbstsüchtiger Filmregisseur, der nach langer Auszeit einen Comebackversuch wagt. Doch den Film, der ihn zurückbringen soll, will er ausgerechnet im Haus seiner Familie drehen, die er vor vielen Jahren bereits verlassen hat. Das konfrontiert seine beiden Töchter mit deren nie geklärter, schwieriger Beziehung zum Vater. Und so entwickelt sich an der Schnittstelle von Leben und (Film-)Kunst, Enttäuschung und Hoffnung ein komisches Drama der Spiegelungen und Projektionen zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Exquisit gespielt und feinsinnig inszeniert und von mehr als einem Hauch von Bergman durchweht. (Sascha Rettig)
Mit diesen fünf Stationen spannt die GrätzlVIENNALE 2026 einen filmischen Bogen durch die Stadt, vom innerstädtischen Park bis an die Neue Donau. Gezeigt werden internationale Festivalhighlights: Arbeiten, die sich durch ihre Erzählhaltung, ihre formale Eigenständigkeit und ihren Blick auf Gegenwart und Gesellschaft auszeichnen.
Das VOLXkino schafft dabei temporäre Kinoräume, in denen sich Nachbarschaft und Publikum neu begegnen. Die GrätzlVIENNALE ergänzt dieses Format um den kuratorischen Blick der Viennale – und öffnet das Festival über seine klassischen Spielstätten hinaus in die Stadt.
So entsteht ein gemeinsamer Raum für Kino, der in Bewegung ist: von Grätzl zu Grätzl, von Film zu Film – und von Zuschauer:in zu Zuschauer:in.
Infos und gesamtes Programm unter volxkino.at