XIAO WU

V'98

XIAO WU

Jia Zhangke
VR China/HK, 1997
Spielfilme, 108min,

XIAO WU

Jia Zhangke
VR China/HK, 1997
Spielfilme, 108min,

Mit: 
Wang Hongwei
Hao Hongjian
Zu Baitao
Drehbuch: 
Jia Zhangke
Ton: 
Lin Xiaoling
Kamera: 
Yu Li-kwai
Schnitt: 
Lin Xiaoing
Ausstattung: 
Liang Jingdong
Kostüm: 
Liang Jingdong

Produktion: 
Hu Tong Communication
Weltvertrieb: 
Hu Tong Communication
Format: 
16 mm
Farbe

Als Straßenkinder haben sich Xiao Wu und Xiao Yong Blutsbrüderschaft geschworen. Jahre später schlägt sich der schmächtige Xiao Wu noch immer als Taschendieb durch, während Xiao Yong vom Zigarettenschmuggler zum Zigarettenhändler aufgestiegen ist. In Fenyang, einer kleinen Stadt in China, die von der Bedeutungslosigkeit der Provinz ausgedörrt wird wie ein Wasserloch von der Wüste, gilt die Hochzeit des Aufsteigers als Ereignis. Xiao Wu ist nicht eingeladen. Seine Vorwürfe wischt der vergessliche Freund zur Seite. Die Bekanntschaft mit einem Dieb ist im China eines zögerlich legalisierten Handels nicht mehr dienlich. In der Stadt künden Plakate vom Wertewandel: Wer Privateigentum nicht achtet, soll strenger bestraft werden. Für den Bauernsohn Xiao Wu, der die soziale Kontrolle des Dorflebens als Enteignung der Seele begreift, wird die Strafe darin liegen, öffentlich als Dieb ausgestellt zu werden. Xiao Wu ist ein Unzeitgemäßer, ein Übriggebliebener wie jener Müßiggänger aus Fellinis Vitelloni, der noch an der rebellischen Phase der Narrenfreiheit festhält, als seine Kumpel sich schon in Arbeit und Ehe geflüchtet haben. (...) Wie kein Film zuvor bringt dieser kleine, aber an Beobachtungsgabe reiche Film Chinas Dilemma zu Gehör: Die Lebensäußerungen des einzelnen gehen im Lärm der Industrialisierung unter. (Heike Kühn)

In diesem Film geht es um unsere Ängste und unsere Unruhe. Wertvolles verschwindet aus unserem Leben. Wir müssen in einer nicht funktionierenden Gesellschaft zurechtkommen und flüchten uns in die Einsamkeit, die nicht mehr als ein Ersatz für die Würde ist. Und es geht um Gefühle, nicht um ihre Zerstörung, sondern um den Verlust der Strukturen, in denen Gefühle möglich sind. Die Leute sind Gefangene der Straße, eingefangen in Chaos, Geschrei und kurzlebigen Beziehungen. Und schließlich geht es meinem Film um meine Heimatstadt und das gegenwärtige China, um die Ungleichheit, die zwischen der Oberfläche des Lebens und dem Innenleben der Menschen, ihren Hoffnungen und Wünschen existiert. (Jia Zhangke)