VERWUNDBAREN

V'06

DIE VERWUNDBAREN

Leo Tichat
A, 1967
Spielfilme, 76min, OF

DIE VERWUNDBAREN

Leo Tichat
A, 1967
Spielfilme, 76min, OF

Mit: 
Kim Dimon
Christiane Prober
Frank Debray
Johanna Fürst
Herbert Fux
Leo Tichat
Drehbuch: 
Leo Tichat
Ton: 
Herbert Gießner
Gerhard Heinz
Kamera: 
Alex Puluj
Schnitt: 
Helga Zeiner
Musik: 
Erich Kleinschuster

Produktion: 
Neton-Film
Weltvertrieb: 
Filmarchiv Austria Obere Augartenstraße 11020 Wien T 1 216 13 00 augarten@filmarchiv.at
Format: 
35 mm
Schwarz/Weiß

Als leider fast vergessener österreichischer Film aus dem Jahr 1967 thematisiert Die Verwundbaren Verhaltensabläufe in einer Clique von 20- bis 35-Jährigen in Wien. Der Anführer der Gruppe ist Timo, der Frauen nach Lust und Laune zu «verführen» scheint. Zusammen mit dem jüngeren Bobby bestimmt er die wichtigsten Verhaltensdispositionen in der Clique. Jene Frau, die Timo verlassen hat, ist nun ausgerechnet mit Bobby liiert. Bobbys älterer Bruder Julian ist unglücklich in Axel verliebt, der sich ausgerechnet mit dessen verhasster Stiefmutter Elisabeth einlässt. Die unschuldige, bürgerliche Lilly wird von Timo derweil als «Opfer» gewählt, weil die von ihm als seelenverwandt wahrgenommene Exfreundin nicht zurückkehren will. Die Handlung kulminiert in einer exzessiven Party, im Zuge derer Timo Lilly zu verführen gedenkt. Mit ins nebulös Bedeutsame tendierenden Mitteln wie Autolichtern, gesichtslosen Straßen und Beleuchtungseffekten wird versucht, den bürgerlichen Nihilismus, also die «Stimmung» der Clique zu transportieren. Der Jazz von Erich Kleinschuster wird mit Ausnahme der dramatischen Szenen im Hintergrund gehalten, vergleichbar mit den meisten französischen Produktionen zu der selben Zeit. (Thomas Raab) Die Verwundbaren erzählt auch von einer Produktionsgeschichte, die im österreichischen Filmmarkt keine Einzelerscheinung war: Der Weg in den regulären Kinobetrieb blieb versperrt, nur eine andere, verkürzte und neu geschnittene Fassung mit dem Titel Engel der Lust hielt Einzug in die Sexkinos Wiens. Tichat kann als einer der wenigen Regisseure Österreichs bezeichnet werden, in dessen Arbeit die Auseinandersetzung mit der filmischen Moderne - im speziellen mit der Nouvelle Vague - ganz deutliche Züge hinterlassen hat. Auch in kulturhistorischer Hinsicht ist der Film interessant: Er greift das Thema einer Liebe zwischen zwei Männern auf, zu einem Zeitpunkt, als homosexuelle Handlungen in Österreich unter Strafe standen (bis ins Jahr 1971). Die Verwundbaren ist Tichats einziger Spielfilm geblieben. (Dietmar Schwärzler, Sylvia Szely)