ODNA

V'00

ODNA

ALONE

Dmitrij Kabakov
RUS, 1999
Dokumentarfilme, 48min,

ODNA

Dmitrij Kabakov
RUS, 1999
Dokumentarfilme, 48min,

Drehbuch: 
Dmitrij Kabakov
Alexander Rajkowskij
Ton: 
Jewgenij Kadimskij
Kamera: 
Dmitrij Kabakov
Sergej Zeznilkov
Schnitt: 
Olga Cekalina
Musik: 
Jewgenij Kadimskij

Produktion: 
Dmitrij Kabakov
Weltvertrieb: 
Jane Balfour Films Ltd.
Format: 
35 mm
Farbe und Schwarz/Weiß

Dmitrij Kabakov beginnt mit Bildern vom hastigen Großstadtleben Moskaus. Seine Kamera fängt die Hektik in den Metro-Stationen, den Kaufhäusern und auf den Boulevards der Metropole ein. In Schwarzweiß. So wirkt das Bild, das er vom Großstadtleben entwirft, modern und überholt zugleich. All das Hasten beschleunigt sich noch durch all die statistischen Daten, die ein Sprecher aus dem Off einwirft. Ein paar Kopeken kostete die Metro dann und dann, jetzt sind es schon sechs Rubel. So und soviel Tonnen Fleisch werden täglich verzehrt. Flüchtige Augenblicke und Begegnungen in der Masse und Vermassung fängt die immer wieder schwenkende Kamera ein. Dann bleibt die Kamera irgendwann stehen, fällt in Großaufnahme auf eine alte, gekrümmte Frau. Endlose Ruhe macht sich breit, als die Kamera der alten Frau mit ihren schlurfenden Schritten langsam zu folgen beginnt. Zwei Welten, mehrere Epochen treffen in der Folge aufeinander. Immer wieder blendet Kabakov die Bilder rasenden Großstadtlebens ein, doch mit dem Moment, in dem Anna erstmalig im Film erscheint, ist im Hintergrund dieser Bilder auch immer das Quietschen der Räder an ihrem alten Wagen zu hören, und man hat das Gefühl: Irgendwann ist sie wieder da, irgendwann sehen wir sie wieder. Und tatsächlich kurz darauf erscheint die gebeugte Alte im Gewimmel der Großstadt, und wir gehen wieder ein Stück mit ihr. Anna Diomina war ihr Leben lang unterwegs, früher auf der Suche nach ihrem deportierten Mann, jetzt auf der Suche nach Essensresten für ein paar streunende Hunde in der Nachbarschaft. Kabakov «entflieht» mit ihr in die Vororte. Hier füttert sie «ihre» herrenlosen Hunde mit den weggeworfenen Resten Moskaus. Das macht sie nun schon seit 18 Jahren. Essensreste sammeln, sich auf den Weg machen, Straßenköter füttern. Jeden Tag, bei jedem Wetter. Durch Eis und Schnee zieht und stolpert sie mit ihrem Wagen nach Hause, das sie im Film nie erreicht. (Michael Flämig)