Dokumentarfilme

DAS KINO UND DER WIND UND DIE PHOTOGRAPHIE

Hartmut Bitomsky
DEU 1991
56min
V'00

Damit fangen wir an: die Straße des ersten Films. Diese Straße liegt in einer Vorstadt von Lyon. Dort war die Fabrik der Brüder Lumiere. Sie haben die ersten Kinofilme gedreht: Es waren dokumentarische Filme.
Es ist ein Film über Filme und das heißt über die Wirklichkeit von Filmen und von den Theorien darüber. Es ist ein Blick in eine Werkstatt, in der gerade laboriert wird. Die Situation der Bearbeitung, der Arbeit am Projekt, ist in den Film integriert. Es gibt keinen Kommentar, sondern ein Sprechen über Filme, das mit Ideen und Zitaten hantiert und sich dabei ganz unmittelbar den Filmausschnitten stellt: Das Kino wird mit seinen eigenen Mitteln untersucht. Diese Untersuchung will nicht systematisch sein, es ist eher eine Art Wilderei, eine fröhliche Wissenschaft, in der das Wichtige neben dem Marginalen stehen darf und der Begriff in der Beiläufigkeit steckt. Was dabei herauskommt, bietet keine Lösung von Problemen an und auch keine Gleichungen (etwa: Dokumentarfilm ist Realität mal Filmkunst dividiert durch kritisches Bewusstsein ...). Was dabei herauskommt, ist Kino-Enthusiasmus. (Hartmut Bitomsky)

In sieben Kapiteln spricht Bitomsky über dokumentarische Filme. Er zeigt diese Filme in Ausschnitten auf Video-Monitoren und als Folge von Einzelbildern, die er von der Kopie abfotografieren ließ und vor der Kamera aufblättert. Bitomsky erzählt, was die Dokumentarfilme erzählen. Und  gelegentlich verschweigt er nicht, was er bei ihrem Anblick empfindet. Die Gedanken, die von den zitierten Dokumentarfilmen ausgelöst (und nicht zu den Gedanken ausgesucht) wurden, verknappt er zum Aphorismus, statt sie - beispielsweise - zum Diskurs zu dehnen. Sie durchmessen die Problemgeschichte des Dokumentarischen und benennen ihre zentralen Konflikte. (...) Der bewussten Artikulation des Gefilmten entspricht die bewusste Arbeit des Dokumentaristen. Der Dokumentarist enthülle nicht die Realität, sondern müsse sie vielmehr artikulieren und gliedern.
In diesem Sinne treibt er die Realität zur Kenntlichkeit ihrer selbst und verleiht ihr, die normalerweise so selbstverständlich erscheint, dass man keinen Begriff von ihr besitzt, Ausdruck. Seinen eigenen Film hat Bitomsky als Dokumentarfilm inszeniert. Seine Kommentare beginnen als Regieanweisungen. (...) Die Aufnahmegeräte selbst sind über Video-Monitore und Spiegel ebenfalls im Bild. (Dietrich Leder)
 

Credits
  • Hartmut Bitomsky
  • Gerhard Metz
  • Arthur Ahrweiler
  • Arm-Malen Witt
  • Andreas Koppen
  • Irina Hoppe
Big Sky Film, WDR

Big Sky Film

Video (Betacam SP)
bwcol
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