ENNUI

V'98

L' ENNUI

LANGEWEILE, DIE

Cédric Kahn
F, 1998
Spielfilme, 120min,

L' ENNUI

Cédric Kahn
F, 1998
Spielfilme, 120min,

Mit: 
Charles Berling
Sophie Guillemin
Arielle Dombasle
Drehbuch: 
Cédric Kahn
Laurence Ferreira Barbosa
Gilles Taurand nach dem Roman La Noia von Alberto Moravia
Ton: 
Jean-Paul Mugel
Kamera: 
Pascal Marti
Schnitt: 
Yann Dedet
Ausstattung: 
François Abelanet
Kostüm: 
Françoise Clavel

Produktion: 
Gemini Films
Weltvertrieb: 
Gemini Films
Format: 
35 mm
Farbe

Der Gleichgewichtsverlust lässt sich bei den Protagonisten von Cédric Kahns L'Ennui nicht einfach aus den Verhältnissen ableiten, obwohl bei ihm eine gewisse Verwundbarkeit und ein schädlicher Hang zum Nachdenken vorhanden sind. Martin unterrichtet Philosophie und ist von seiner Frau verlassen worden. Nun entdeckt er ein Loch in seinem Leben und stopft es mit einer Obsession zu, die auch den intakten Rest seiner Existenz erfasst - ein Mann in den Fußstapfen eines Malers, dessen Tod ihn neugierig gemacht hat. Das Verhängnis heißt Cécilia, ist siebzehn Jahre alt und das schlechthin Unbegreifliche: keine zerbrechliche Lolita und kein verführerischer Blauer Engel, sondern eine gutgenährte, nicht gerade intelligent aus der trostlosen Wäsche schauende Putte, die von irgendeinem barocken Altar mitten in Martins Bett gesprungen zu sein scheint. Cécilia ist eine Sexmaschine, der nach getaner Arbeit hin und wieder ein Lächeln entgleitet, das man maliziös nennen könnte, wenn sie nicht auch gegen Bosheit immun wäre.

L'Ennui (nach Alberto Moravias La Noia) funktioniert als Groteske, bei der man es abwechselnd mit der Angst und dem Mitleid zu tun bekommt: ein Film, in dem Gelächter den Schrecken ablöst und umgekehrt. Cédric Kahn betreibt dabei keine Dämonisierung des Weiblichen. Er sieht zu, wie Martin gegen das Unbegreifliche mit allen Mitteln Sturm läuft und ihm nicht beikommt: weder mit Eifersucht noch mit Gewalt. Diese viel weitergehende Perspektive macht die Faszination des Films aus. (Gregor Dotzauer)

Wie sich die junge französische Schauspielerin Sophie Guillemin als Cécilia sehr pummelig und ungerührt den eifersüchtigen Anfechtungen eines Akademikers widersetzt, gehört zu den besten Schauspielerleistungen dieses Kinojahres: Alle Qualitäten des jungen französischen Kinos - Leichtigkeit in alltäglichen Szenarios, bestes Handwerk, immer wieder neue Gesichter und Stars - steigern sich da noch einmal im Umgang mit einem Stoff, der mitunter wie bessere Bahnhofslektüre anmutet. (Claus Philipp)