BIG ONE

V'98

THE BIG ONE

Michael Moore
USA/GB, 1997
Dokumentarfilme, 94min,

THE BIG ONE

Michael Moore
USA/GB, 1997
Dokumentarfilme, 94min,

Drehbuch: 
Michael Moore
Ton: 
Sarah Price
Kamera: 
Brian Danitz
Chris Smith
Schnitt: 
Meg Reticker
Musik: 
World Famous Jays

Produktion: 
Dog Eat Dog Films
Weltvertrieb: 
Mayfair Entertainment International
Format: 
35 mm
Farbe

Ein neuer Streich von Michael Moore, der 1989 mit der furiosen Politsatire Roger and Me das Bewusstseins-Zwerchfell erschütterte und dem mit der aberwitzigen Kombination aus Groucho Marx, Woody Allen und Karl Marx der erfolgreichste Dokumentarfilm aller Zeiten gelang. Was Moore damals in der Stadt Flint, Michigan, konstatierte und gnadenlos kritisch und hellsichtig kommentierte, ist diesmal eingebunden in die Werbe- und Lesetour, die er für seinen Bestseller Downsize This! unternahm und die ihn in 50 US-Städte führte: die Auswirkungen der Wirtschaftspolitik und des sogenannten liberalen Aufschwungs in den USA, der trotz Milliardengewinnen für die Konzerne die Arbeitslosigkeit von Tausenden bedeutete, nicht zuletzt durch die Verlagerung der Produktionsstätten in Billiglohnländer wie Mexiko.

Mit den Mitteln des Cinéma Vérité und dem Drive eines unter Speed stehenden Kabarettisten fegt Moore wie ein Wirbelsturm über die Verheerungen in seinem Land und zeigt in einer Abfolge realer und darum umso abstruser erscheinenden Beispiele die Lohnpolitik und Arbeitsstellenstrategie der Unternehmen, die die Arbeiter entlassen, die ihnen erst die Gewinne ermöglichten. So geraten die Szenen zu höhnischen Lehrstunden über den "Fun" des Kapitalismus. Süßwarenproduzent Payday feuert Firmenarbeiter, weil sie zu produktiv sind, Kalifornische Häftlinge werden vom Knast aus für TWA eingesetzt. Außerdem interviewt er "Nike"-Boss Phil Knight, "einen der größten organisierten Kriminellen Amerikas". Moores subversiver Streifzug (doppelt unterminiert, weil er die Zeit dafür mit seiner Video-Crew der Werbetournee "klauen" musste) ist so bitter wie unterhaltend, hinterhältig wie offenlegend, phänomenal wie erhellend. Die Nachhilfestunde besitzt jede Menge Höhepunkte, z.B. den Hinweis, dass "Shareholders" (Aktionäre) ein Wort ist, das zwar das System stützt, aber nicht in der Verfassung steht. Blitzgescheit und notwendig. (Hans Gerhold)