„Umgekehrte Archäologie“, so beschrieb Phil Solomon (1954–2019) seine Arbeit mit Film. Statt ein ursprüngliches Bild freizulegen, veränderte er dessen Materialität, bearbeitete er die Emulsion – von Hollywoodfilmen wie Homemovies gleichermaßen –, um die Bilder zu ent-fremden und solcherart neu sichtbar zu machen. Ein Kino zwischen Abstraktion und Figuration, Material und Erinnerung, das selbst in radikal experimentellen Formen tiefe Emotionen zu vermitteln vermag.
Nach dem Tod des Künstlers gründete die Filmemacherin Eve Heller gemeinsam mit Kurator Mark McElhatten das Phil Solomon Project. Ihrer Initiative verdankt sich die Wiener Werkschau, die in fünf Programme gegliedert ist. Drei führen durch Solomons Werk, zwei öffnen den Blick auf seinen Kontext: Einflüsse, Affinitäten, Verwandtschaften, Dialoge mit zeitgenössischen Filmschaffenden – sowie jenen jüngerer Zeit, die Solomons Vermächtnis weiterführen und transformieren.
Zu Letzterem gehört auch eine live Super-8-Performance von Christian Farrell von silt. Eine Aktion, die die physische Dimension des Kinos zurück ins Zentrum rückt: Filmstreifen und analoge Formate, Licht, Material, Körper und Projektion. Denn es geht nicht nur darum, Werke zu bewahren, sondern Bilder wieder in Umlauf zu bringen: auf dass sie sich in der Gegenwart aufs Neue ereignen können!
Kuratiert von Mark McElhatten.