WALTZ WITH BASHIR

V'08

WALTZ WITH BASHIR

Ari Folman
Israel/F/D, 2008
Spielfilme, 87min, OmdU

WALTZ WITH BASHIR

Ari Folman
Israel/F/D, 2008
Spielfilme, 87min, OmdU

Mit: 
Boaz Rein Buskila
Ori Sivan
Roni Dayg
Carmi Cnaa'n
Shmuel Frenkel
Ron Ben Yisahi
Dror Harazi
Zahava Solomon
Mit: 
Animation
Bridgit Folman Film Gang
Art Director
David Polonsky
Drehbuch: 
Ari Folman
Ton: 
Aviv Aldema
Schnitt: 
Nili Feller
Musik: 
Max Richter

Produktion: 
Bridgit Folman Film Gang 37 Yehuda Hayamit St. Apt. 14 68134 Jaffa, Israel bridgitfolman@gmail.co m
Weltvertrieb: 
The Match Factory Balthasarstraße 79-81 50670 Köln, Deutschland T 221 53 97 09 0 info@matchfactory.de
Verleih in Österreich: 
Stadtkino Spittelberggasse 3/2 1070 Wien T 1 522 48 14 office@stadtkinowien.at
Format: 
35 mm
Farbe

Waltz With Bashir bezieht sich auf die Massaker, die 1982 in den Flüchtlingslagern Sabra und Shatila an Palästinensern verübt wurden - von libanesischen christlichen Phalangisten, nachdem deren Führer Bashir einem Attentat zum Opfer gefallen war. Die Phalangisten waren Verbündete Israels; der damalige Verteidigungsminister Ariel Sharon wurde später wegen Duldung der Massaker, von denen er Kenntnis hatte, verurteilt. Zwanzig Jahre später wurde Scharon Premierminister. Ari Folman hat nun in Waltz With Bashir seine Zeit als Soldat der israelischen Armee im Libanon aufgearbeitet, seine Entstehung verdankt der Film Alpträumen: Boaz, ein Freund Folmans, wurde im Schlaf immer wieder von 26 Bluthunden gehetzt, und Folman selbst träumte wiederholt von jungen Männern, die des Nachts nackt dem Meer entsteigen, am Strand Uniformen anlegen und sich auf bedrohlich schlafwandlerische Weise in Kampfmaschinen verwandeln. Während Boaz einen Zusammenhang zu den Massakern herstellte, konnte sich Folman nicht mehr an seine damalige Rolle erinnern. Das verstörte ihn ungeheuer, und so ist Waltz With Bashir nicht nur ein therapeutischer Film über Kriegstraumata und Mitschuld geworden, sondern auch einer über die Anatomie der Erinnerung. Überragend ist Waltz With Bashir dabei durch seine Ästhetik. Ari Folman drehte einen «dokumentarischen Animationsfilm», was man sich so vorzustellen hat: Zunächst befragte er einstige Kameraden, mit denen er im Libanon war, aber auch Trauma-Experten. Die Interviews waren Grundlage für Storyboards, die der Kinderbuchautor David Polonsky zeichnete. Der Zuschauer sieht also animierte Bilder aus einem Krieg, der wirklich stattgefunden hat; und diese Bilder zu einem Soundtrack aus Popsongs werden mehrheitlich kommentiert von den authentischen Stimmen der Beteiligten, die sich erinnern. Das Ergebnis ist ein ebenso heikler wie gelungener Vermittlungsakt zwischen popkulturellen Ästhetiken, dokumentarischen Mitteln und tradiertem Antikriegskino. (Anke Westphal)