VERTIGO

V'06

VERTIGO

Alfred Hitchcock
USA, 1958
128min, OF

VERTIGO

Alfred Hitchcock
USA, 1958
, 128min, OF

Mit: 
James Stewart
Kim Novak
Barbara Bel Geddes
Tom Helmore
Henry Jones
Drehbuch: 
Samuel Taylor
Alec Coppel
Ton: 
Harold Lewis
Winston Leverett
Kamera: 
Robert Burks
Schnitt: 
George Tomasini
Musik: 
Bernard Herrmann
Ausstattung: 
Hal Pereira
Henry Bumstead
Kostüm: 
Edith Head

Produktion: 
Alfred J. Hitchcock Production Paramount Pictures
Format: 
35 mm
Farbe

Vertigo, dessen verwickelte Handlung allein einem schon Kopfzerbrechen bereiten kann, konfrontiert mit zwei verstörten Charakteren, die sich in Verschwörung, Manipulation, Projektion und, als ob das nicht schon genug wäre, Liebe verheddern, um sich in schmerzhafter Selbstzerstörung gegenseitig zu zerfleischen. James Stewart spielt Scottie Ferguson, einen Polizisten, der seinen Dienst wegen Höhenangst quittieren musste und von einem ehemaligen Kollegen den Auftrag erhält, dessen Frau Madeleine zu beschatten - Kim Novak gibt sie mit unterkühlter, zarter Erotik und verleiht ihr so ein Geheimnis. Aber Madeleine ist eigentlich Judy und ein Fantasiegebilde, in das sich Scottie verliebt und das er fortan sucht. Der titelgebende schwindelerregende Gleichgewichtsverlust meint nicht nur Scotties Furcht vor dem Abgrund, sondern auch den Strudel aus Neurosen, in denen er und die Frau, die er nach seinem Idealbild zu schaffen sucht, stürzen. Ein Film über die Uneinholbarkeit der Zeit und das, was nicht wieder gut zu machen ist. Den Wunsch und den Schein und tödliche Kollision. Hitchcocks Effekte sind filmische Neuerungen. Er hat sich in seinem Genre, dem Thriller, wie ein Experimentalfilmer bewegt, obwohl er immer publikumswirksame Unterhaltung produzierte. Dass ein Film Gewinn einspielen muss, blieb eine unangetastete Maxime. Wenn Hitchcock ein Autorenfilmer war, dann einer, der das Einspielergebnis als Kriterium akzeptierte. In diesem Rahmen hat er seine Versuche angestellt mit dem Ehrgeiz, etwas zu erreichen, das nur in Filmen realisierbar war. Deswegen scheinen viele Werke wie die Antwort auf eine schwierige Aufgabenstellung. Hitchcock führt seine Zuschauer in Unsicherheiten, konfrontiert sie mit dem skeptischen Blick auf die Fassaden von Ehrsamkeit und Verlässlichkeit. Seine Hauptfiguren müssen das Misstrauen lernen: gegenüber Freunden, Polizei und Regierung. Wer aus dem alltäglichen Leben gerissen wird, erfährt die Brüchigkeit aller Konventionen. Hitchcocks Hauptfiguren werden fragwürdig, weil sie nicht einmal sich selbst gegenüber ehrlich sind. (Rainer Rother)