TA'ME GILASS

V'97

TA'ME GILASS

GESCHMACK DER KIRSCHE, DER

Abbas Kiarostami
Iran, 1996
Spielfilme, 98min, OmdU

TA'ME GILASS

Abbas Kiarostami
Iran, 1996
Spielfilme, 98min, OmdU

Mit: 
Homayon Ershadi
Abdolrahman Bagheri
Afshin Khorshid Bakhtiari
Drehbuch: 
Abbas Kiarostami
Ton: 
Jahangir Mirshekari
Bagher Sasanpour
Kamera: 
Homayon Payvar
Schnitt: 
Abbas Kiarostami
Musik: 
Louis Armstrong
Ausstattung: 
Hassan Yekta Panah

Produktion: 
Abbas Kiarostami
Weltvertrieb: 
Ciby Sales
Verleih in Österreich: 
Filmladen
Format: 
35 mm
Farbe

Die Goldene Palme in Cannes setzte für Kiarostami einen vorläufigen Höhepunkt der bis dato höchst zögerlich angebahnten Akzeptanz des Regisseurs - ironischerweise für ein Werk, das von iranischer Seite erst knapp vor Beginn des Festivals für eine Wettbewerbsteilnahme freigegeben wurde. Gründe dafür mochte Kiarostami, in Cannes eher vorsichtig mit Äußerungen, nicht angeben. Vermutlich hatte das Regime Probleme mit dem Protagonisten des Films, der Selbstmord begehen will und dafür in der Peripherie von Teheran "Helfer" sucht. Fast durchwegs in Realzeit verfolgt ihn die Kamera bei dieser Autofahrt in Richtung Todsünde, bei der ihm Passanten entsetzt Abfuhren erteilen und die Predigten eines islamischen Seminaristen nicht helfen. Ein türkischer Museumswärter erklärt sich als gesellschaftlicher Außenseiter schließlich bereit, zu assistieren. Sein Monolog als Hymne auf sinnlich erfahrenes Leben lässt den Verzweifelten aber erstmals wieder an seiner Entscheidung zweifeln: Das Ende bleibt offen. Ob der Mann in seinem selbst gewählten Grab die Augen für immer schließt oder er nur von einem Blitzschlag geblendet wird - dies verleiht einem Meisterwerk weitere Ambivalenz, in dem zähen Bewegungen zwischen Hügelkuppen ebensoviel Raum gegeben ist wie zerfurchten Gesichtszügen. (Claus Philipp)