SUZHOU HE

V'00

SUZHOU HE

SUZHOU RIVER

Lou Ye
China/D, 2000
Spielfilme, 83min,

SUZHOU HE

Lou Ye
China/D, 2000
Spielfilme, 83min,

Mit: 
Zhou Xun
Meimei/Moudan
Jia Hongsheng
Mardar
Nai An
Mada
Yao Anlian
Boss
Drehbuch: 
Lou Ye
Ton: 
Xu Peijun
Kamera: 
Wang Yu
Schnitt: 
Karl Riedl
Musik: 
Jörg Lemberg
Ausstattung: 
Li Zhuoyi

Produktion: 
Essential Filmproduktion
Weltvertrieb: 
The Coproduction Office
Verleih in Österreich: 
Polyfilm Verleih
Format: 
35 mm
Farbe

Wiewohl seine menschlichen Protagonisten interessant genug sind, ist die komplexeste und auffälligste Präsenz in Suzhou he die «Titelfigur», ein schmutziger, von Menschen angelegter Wasserlauf, der sich durch die Industriebezirke von Shanghai schlängelt. Der Erzähler von Lou Yes stimmungsvoller Übung in postmodernem Film noir ist ein Videokünstler, der, weitgehend unsichtbar bleibend, den Fluss nach Bildern und Geschichten absucht. Während er sich durch die schattenhafte, kriminelle Halbwelt entlang des Flusses tastet, wird er, wie eine Figur in einer Borges-Geschichte oder in einem Roman von Paul Auster, in eine Spiegelwelt von miteinander verknüpften Schicksalen, urbanen Legenden und falschen Identitäten hineingezogen.
Lou Ye nützt das Wasser - die undurchsichtige, dunkle Oberfläche des Flusses und den strömenden Regen, der den größten Teil von Shanghais Wetterlage auszumachen scheint — für einen grandiosen visuellen Effekt. Man verlässt das Kino mit einem Gefühl der feuchten, anhaltenden Kälte und mit dem klaren Eindruck von einem Filmemacher, der sich an einer eklektischen Reihe von Einflüssen orientiert. Suzhou he ist, verglichen mit anderen zeitgenössischen chinesischen Filmen, ungewöhnlich unverblümt und definitiv kosmopolitisch. Sein stimmungsvoller Stil erinnert an die Filme des in Shanghai geborenen Wong Kar-wai, aber es finden sich auch andere Quellen, so weit voneinander entfernt und so unterschiedlich wie Hitchcocks Vertigo und Beineix' Diva. Wie in Vertigo spielt hier eine Schauspielerin zwei Frauen, die der besessene Liebhaber nicht  auseinanderhalten kann/will. In diesem Fall ist es die erstaunliche Zhou Xun, die sich von Einstellung zu Einstellung scheinbar mühelos vom Schulmädchen zur Femme Fatale oder zur mythischen Wassergottheit wandeln kann. Sie ist Meimei, die Freundin des Videofilmers, und das Objekt der Begierde des Motorradkuriers Mardar, der in ihr seine einstige Geliebte wiederzufinden glaubt. (A. O. Scott)