KUNG-FU MASTER

V'06

KUNG-FU MASTER

Agnès Varda
F, 1987
80min, OmeU

KUNG-FU MASTER

Agnès Varda
F, 1987
, 80min, OmeU

Mit: 
Jane Birkin
Mathieu Demy
Charlotte Gainsbourg
Lou Doillon
Gary Chekchak
Cyril Houplain
Franck Laurent
Aurélien Hermant
Jérémie Luntz
Thomas Bensaïd
Pénélope Pourriat
Ninon Vinsonneau
Bégonia Leis
Éva Simonet
Judy Campbell
David Birkin
Andrew Birkin
André Six
Suzanne Seguin

Produktion: 
Ciné-Tamaris
Weltvertrieb: 
Verleih in Österreich: 
35 mm/Farbe

Agnès Varda: Eines Tages sagte Jane zu mir: Hör zu, ich traue mich gar nicht, es dir zu zeigen, aber ich habe ein paar Seiten geschrieben. Ich hatte die Idee einer 35-Jährigen, die sich in einen Jungen von 14, 15 Jahren verliebt. Jane Birkin: Und am Sonntag darauf war ich schon wieder bei ihr, um sie zu fragen, ob es ihr gefallen hatte Sehr hellsichtig sagte sie mir, dass sie keine Lust hätte, ein Jahr lang mit mir zu drehen und nach Jane B. par Agnès V. gleich wieder einen Film zu machen, aber dass sie das Sujet in ihrem Film verwenden wollte. Agnès Varda: Wir beschlossen, eine 20-minütige Episode über diese Geschichte zu drehen. Jane hatte die Frau geschrieben, sonst nichts. Ich schrieb also den Rest: den Jungen (und sein Umfeld). Beim Schreiben und Ausbauen dieser Geschichte sagte ich mir: Es gibt da ein paar sehr zarte und fragile Gefühle, deren Entwicklung schwer nachzuerzählen ist. Man kann das nicht in einer Viertelstunde vermitteln. Und wir entschlossen uns, einen Spielfilm zu machen. Jane Birkin: Meine Geschichte war schrecklich romantisch, der Junge war furchtbar farblos. (lacht) Er war irgendwie das Double der Frau, und vielleicht eine romantische Projektion meiner selbst in diesem Alter. Agnès hat dem Ganzen mehr Substanz gegeben. Agnès Varda: Mein Beitrag zum Film war all das, was nicht Teil des Melodrams ist: die Klamotten, die Spiele, die Motorräder und ein bisschen auch die Schule! Die Romantik kommt heutzutage nicht ohne Provokation, ohne eine gewisse Boshaftigkeit aus. In diesem Alter sind die Jungs intelligent, schroff und widersprüchlich, sie meiden amouröse Verwicklungen. Ihr Spieltrieb bietet ihnen Ablenkung und die Gelegenheit - spielerisch und parodierend - Schwierigkeiten zu meistern. Und dann saß ich in London im Hotel und sah fern. Um 20:30 Uhr lief eine Live-Sendung, in der den Jugendlichen, die am Podium saßen, und den Zuschauern zu Hause geraten wurde, immer ein Präservativ bei sich zuhaben. Ein Mädchen begehrte auf: Wenn ich eins dabeihabe, halten sie mich für ein Flittchen. Ein Junge murrte: Wie sieht das aus, wenn man eins aus der Tasche zieht? Sie bekamen zur Antwort, dass der Umstand, ein Präservativ bei sich zu haben, nicht zum Sex verpflichtet. Es ist eine Sicherheitsvorkehrung wie diese Tabletten, die man in tropische Länder mitnimmt, um das Wasser zu desinfizieren: eine Tablette dabeizuhaben, beweist nicht, dass man Durst hat. Ich kaufte die Sendung, bzw. Ausschnitte daraus Jane Birkin: Agnès hat die Zeit, in der Mathieu lebt, ins Spiel gebracht, mit Aids, Videospielen, die ich persönlich hasse! Dieser soziale Aspekt ist typisch für Agnès' Kino. Agnès Varda «Varda par Agnès» Cahiers du Cinéma & Ciné-Tamaris, 1994 (Übersetzung von Petra Metelko)