JE, TU, IL, ELLE

V'07

JE, TU, IL, ELLE

Chantal Akerman
F/B, 1974
85min, OmdU

JE, TU, IL, ELLE

Chantal Akerman
F/B, 1974
, 85min, OmdU

Mit: 
Chantal Akerman
Niels Arestrup
Claire Wauthion

Produktion: 
Paradise Films
Weltvertrieb: 
Verleih in Österreich: 
35 mm/1:1,33/SW

„Je“ ist Julie (Chantal Akerman), die wochenlang in selbst gewählter Isolation in einem beinahe leeren Raum lebt. Sie schreibt und überschreibt einen nicht enden wollenden Brief und isst aus einer Tüte löffelweise Zucker, den sie über die Briefseiten streut. „Il“ ist ein struppiger Fernfahrer, der Julie mitnimmt, als sie auf der Autobahn stoppt. Anfänglich schweigsam wie Julie selbst, erzählt er fortan in einem langen Monolog von seinem Leben als Ehemann und Familienvater sowie von seinen schnellen Ficks entlang des Highways. Er setzt sie ab bei „Elle“, Julies ehemaliger Geliebter, die sie nur zögerlich empfängt, um sie schließlich doch über Nacht bleiben zu lassen. Julie indes verschwindet – wortlos. Die Narration ist minimalistisch, die fragmentarischen Episoden geben kaum Aufschluss über das Wie und Warum. Derart befremdet steht „Tu“ – das Filmpublikum – auf der «anderen» Seite der Leinwand, dem jegliche Identifikationsmöglichkeit abhanden kommt. Die Handlung, die wir im Bild sehen, läuft teilweise asynchron zur mündlichen Schilderung Julies. Jeder intime Akt – der Handjob beim LKW-Fahrer, den er währenddessen beschreibt, ohne dass das Publikum das Geschehen selbst sehen könnte, die (letzte?) Liebesnacht bei „Elle“, die mehr wie ein Ringkampf denn wie eine sehnsuchtsvolle Begegnung anmutet – verharrt in einer seltsamen Distanz der Involvierten, ohne sichtbare emotionale Regung. In diesem Zustand gibt es kein Vor- oder Rückwärts, kein Ziel, weder Verschmelzung noch Auflösung – ein radikaler Bruch mit den klassischen Strukturen, wie ihn Chantal Akerman wiederkehrend erprobte. Ebenso stand die Einbeziehung der eigenen Person in die Handlung programmatisch für die Suche nach alternativen Erzähl- und Darstellungsformen, wie sie das feministische Kino bis heute anstrebt. (Vina Yun) Wird zusammen gezeigt mit Les Maines négatives . Lesen Sie weitere Beiträge zu diesem Film und zur Retrospektive 2007 in der VIENNALE-Publikation Der Weg der Termiten. Beispiele eines Essayistischen Kinos 1909–2004.