JAHRGANG 45

V'02

JAHRGANG 45

Jürgen Böttcher
DDR, 1965
94min, OF/eK

JAHRGANG 45

Jürgen Böttcher
DDR, 1965
, 94min, OF/eK

Mit: 
Rolf Römer
Monika Hildebrand
Paul Eichbaum
Renate Reinecke
Holger Mahlich
Mit: 
Dramaturgie
Christel Gräf
Lied/Liedtext/Gitarre
Wolf Biermann
Gesang
Eva Maria Hagen
Drehbuch: 
Klaus Poche
Jürgen Böttcher
Ton: 
Peter Foerster
Kamera: 
Roland Gräf
Schnitt: 
Helga Gentz
Musik: 
Henry Purcell
Ausstattung: 
Harry Leupold
Kostüm: 
Günther Schmidt

Produktion: 
DEFA-Studio für Spielfilme, Gruppe «Roter Kreis»
Weltvertrieb: 
Progress Filmverleih Burgstraße 2710178 Berlin, Deutschland T 30 247 37 76 info@progress-film.com
Format: 
35 mm
Schwarz/Weiß

1966 konnte Böttcher Jahrgang 45 realisieren, seinen ersten richtigen Spielfilm: eine kleine, alltägliche Geschichte junges Paar trennt sich und findet wieder zusammen besetzt vor allem mit Laien, gedreht auf Straßen und Plätzen Berlins, in den Wohnungen und Hinterhöfen des Prenzlauer Bergs. Doch Böttcher durfte ihn nicht fertig stellen: Zusammen mit einem runden Dutzend weiterer DEFA-Spielfilme wird er nach dem 11. Plenum des ZK der SED verboten, bleibt bis nach der Wende im Regal liegen. Seine Hauptfigur sei «indifferent, gedankenlos, unreif, asozial» heißt es, das Milieu «trist und unfreundlich». Danach durfte Böttcher keinen Spielfilm mehr drehen. Sieht man Jahrgang 45 heute, so verblüffen seine Frische, seine Beiläufigkeit, seine atmosphärische Dichte. In seiner Hauptfigur Al spürt man den Geist des Aufbruchs, der sich Mitte der 60er Jahre in ganz Europa ausbreitete: einer, der sich den Zumutungen des kleinbürgerlichen Lebensmodells entzieht, der noch nicht weiß, was er will, aber genau spürt, was er nicht will. Rolf Römer spielt diesen jungen Mann mit dem ganzen Körper: Reden tut er eher wenig, ausweichend und flapsig dafür sind seine Gesten umso beredter. Schon wie er eine Straße entlangschlendert, das weiße Hemd immer aufgeknöpft bis zur Mitte der Brust, mit geschmeidigen, tänzerischen Schritten: Daraus spricht ein herrlich unbekümmertes Selbstbewusstsein, das sich auch vom Kaderleiter seines Betriebes nicht ducken lässt. Vergleicht man Jahrgang 45 mit Filmen, die zur selben Zeit im Westen entstanden mit Kluges Abschied von ge stern, Schamonis Es und anderen jungen deutschen Filmen, mit den Arbeiten der Nouvelle Vague in Frankreich, des Free Cinema in Großbritannien , dann gibt es keinen Zweifel: Mit Jahrgang 45 hätte man ihn damals nur sehen können wäre Jürgen Böttcher eine der Leitfiguren dieser filmischen Aufbruchsjahre geworden. (Kraft Wetzel) Wichtige Entscheidungen standen aus, als der Film verboten wurde, mit jeglicher Arbeit abgebrochen werden musste. Wir befanden uns etwa zwischen Roh- und so genanntem Feinschnitt. Die Form des Films war noch nicht endgültig. Nach dem 11. Plenum gab es in der Gruppe «Roter Kreis» eine Art kommissarische Leitung unter dem Produktionsleiter Hans Mahlich. Brutale Schnittanweisungen wurden ausgesprochen und mussten befolgt werden. Wir hofften immer noch, Jahrgang 45 zu retten. Es nutzte alles nichts, er wurde verboten. (Jürgen Böttcher)