V’18: OCTOBER 25 – NOVEMBER 8, 2018

EMPLOI DU TEMPS

V' 01

L' EMPLOI DU TEMPS

Time Out

Laurent Cantet
Frankreich, 2001
Spielfilme, 133min, OmeU

L' EMPLOI DU TEMPS

Laurent Cantet
Frankreich, 2001
Spielfilme, 133min, OmeU

Darsteller: 
Aurélien Recoing
Vincent
Karin Viard
Muriel
Serge Livrozet
Jean-Michel
Jean-Pierre Mangeot
Der Vater
Monique Mangeot
Die Mutter
Nicolas Kalsch
Julien
Marie Cantet
Alice
Félix Cantet
Félix
Drehbuch: 
Laurent Cantet
Roin Campillo
Ton: 
Olivier Mauvezin
Kamera: 
Pierre Milon
Schnitt: 
Robin Campillo
Musik: 
Jocelyn Pook
Ausstattung: 
Romain Denis
Kostüm: 
Elisabeth Mehu

Produktion: 
Haut et Court38 rue des Martyrs75009 Paris, FrankreichT 1 55 31 27 27 info@hautetcourt.com
Weltvertrieb: 
2 rue Turgot75009 Paris, FrankreichT 1 49 70 03 70 info@celluloid-dreams.com
Verleih in Österreich: 
Polyfilm VerleihMargaretenstraße 781050 WienT 1 581 39 00 20 polyfilm@polyfilm.at
Format: 
35 mm
Schwarz/Weiß
35 mm/1:1,85/Farbe

Wenn im dunklen Saal während einer Projektion plötzlich irgendwo ein Telefon zu klingeln beginnt, wird man unruhig. Nicht selten sind laute Unmutsäußerungen und eilige Abgänge die Folge. Immer öfter allerdings stellt sich auch heraus, dass ein beharrliches Läuten, das langsam lauter wird, via Surround-Sound durchs Kino schrillt. Laurent Cantet setzt die Klingelzeichen gleich an den Anfang seines Films. Das Mobiltelefon seines Helden ist dessen wichtigstes Werkzeug. Denn solange er erreichbar ist, fragt keiner, wo er sich aufhält. Lange Zeit ist nicht ganz klar, was der eigentliche Grund dieser Verschleierungstaktik ist - wenn Vincent auf ausgedehnten Autofahrten, auf Rastplätzen oder von Hotellobbys aus seine Gespräche führt, Verabredungen trifft und von dringenden Geschäften spricht, die ihn in Bewegung halten. Vincent, erfährt man schließlich, hat seinen Job verloren. Seiner gutsituierten Familie gegenüber hält er allerdings die Fassade vom Managerdasein aufrecht - samt neuer Stellung bei der UN in Genf, teurer Zweitwohnung und neuen Kollegen. Das Funktionieren dieser existenziellen Fiktion verdankt sich einem geschulten Anpassungsvermögen, Berufserfahrung und Kommunikationsstrategien, die in aller Unverbindlichkeit die Sicherheit vermitteln, dass hier einer tut, was er sagt, und weiß, was er tut. Schon in Cantets Ressources humaines (1999) ging es um Arbeitswelten und das Übergreifen der Ökonomie auf ein soziales Umfeld. L ' emploi du temps bearbeitet diesen Themenkomplex unter einer anderen Prämisse: Es geht um die ökonomische Organisation von Zeit und deren Simulation, um den erfolgreichen «Verkauf» von Zwangsfreizeit als Arbeitsalltag. Cantet inszeniert die Geschichte vor dem Hintergrund der dazugehörigen «architecture of reassurance» aus aufgeräumten Eigenheimen und transparenten Zwischenzonen der Betriebsamkeit - Empfangshallen, Hotelbars und Büroaufzügen, bevölkert von Aktenkofferträgern und professionellen Handybenützern. Eine Umgebung, in der Vincent perfekt verschwindet. (Isabella Reicher)

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