BYE BYE AFRICA

V'00

BYE BYE AFRICA

Mahamat Saleh Haroun
F/Tschad, 1998
Spielfilme, 86min,

BYE BYE AFRICA

Mahamat Saleh Haroun
F/Tschad, 1998
Spielfilme, 86min,

Mit: 
Mahamat Saleh Haroun
Mahamat
Aicha Yelena
Isabelle
Garba Issa
Garba Issa
Drehbuch: 
Mahamat Saleh Haroun
Ton: 
Ousmane Bougoudi
Kamera: 
Stephane Legoux
Mahamat Saleh Haroun
Schnitt: 
Sarah Taouss
Musik: 
Alhadji Ahmat dit Pécos
Issa Bongo
Ringo Efoua-Ela

Produktion: 
Les Productions de la Lanterne
Format: 
Video (Betacam SP)
Farbe

Anlässlich des Todes seiner Mutter kehrt Mahamat Saleh Haroun nach zehn Jahren in sein Heimatland zurück. Haroun ist Filmemacher und hat seine Videokamera mitgebracht. Kaum ist er im Tschad angekommen, richtet er das Objektiv auf alles, was ihm vor Augen kommt. Ursprünglich ein Mittel, das plötzliche Gefühl der Einsamkeit zu überwinden und den Verlust der Mutter durch die Wiederaneignung ihrer Kultur zu kompensieren, wird die Kamera zum Instrument für Harouns Realitätstüchtigkeit in einer veränderten Ursprungskultur. «Wie filmt man das Eeben?» fragt sich Haroun bei der Autofahrt, während in Ermangelung kräftigerer Bilder vorerst staubige Straßenzüge vor seinem Objektiv vorbeiziehen. Später versucht der kleine Junge, der in Harouns Nachbarschaft bislang immer nur mit einer selbstgebastelten Attrappe spielte, ihm die Videokamera zu entwenden.
Haroun hat derweil mit Menschen Kontakt aufgenommen, die früher einmal Kinos betrieben haben, Säle, die heute verfallen. Seine Reise in den Tschad ist eben auch eine Recherche in Sachen Kinosterben und eingegliedert in den Kampf für ein besseres afrikanisches Filmnetzwerk.   Außerdem wird der Filmemacher konfrontiert mit einem im europäischen Kontext verloren gegangenen Verantwortungsgefühl: Eine junge Schauspielerin, die in seinem vorherigen Film eine Aids-Kranke gespielt hatte, wird gesellschaftlich isoliert. Die Menschen im Tschad, so erfährt  Haroun, könnten zwischen Abbild und Wirklichkeit, zwischen Fiktion und Realität nicht unterscheiden und hielten die junge Frau trotz aller medizinischer Gegenbeweise für tatsächlich krank. Harouns Filmessay stellt elementare Fragen des derzeitigen afrikanischen Kinos: Wie kommt möglichst viel Wirklichkeit durchs Objektiv auf die Filmschicht? Und wie kommt diese, entwickelt, geschnitten und kopiert, auf möglichst viele afrikanische Leinwände? Medienpolitische Generalfragen, die vor wenigen Jahrzehnten auch hierzulande diskutiert wurden, damals, als es noch den Autorenfilm gab. (Eberhard Spreng)