BUNGALOW

V'02

BUNGALOW

Ulrich KöHler
D, 2001
Spielfilme, 84min, OF

BUNGALOW

Ulrich KöHler
D, 2001
Spielfilme, 84min, OF

Mit: 
Lennie Burmeister
Devid Striesow
Trine Dyrholm
Drehbuch: 
Ulrich KöHler
Henrike Goetz
Ton: 
Johannes Grehl
Kamera: 
Patrick Orth
Schnitt: 
Gergana Vogt
Ausstattung: 
Silke Fischer
Kostüm: 
Birgit Kilian

Produktion: 
Peter Stockhaus Filmproduktion Friedensallee 7 22765 Hamburg, Deutschland T 40 39 10 963 info@peterstockhausfilm.de
Weltvertrieb: 
Peter Stockhaus Filmproduktion
Verleih in Österreich: 
Filmladen Mariahilferstraße 58/7 1070 Wien T 1 523 43 62 0 office@filmladen.at
Format: 
35 mm
Farbe

Nichts passiert und genau darum geht es. Fast nichts. Am Anfang fliegt, mit dumpfem Knall, das städtische Schwimmbad von Bad Endbach in die Luft, ein Signal, ein Schlag, dem kein weiterer folgt. Stattdessen: eine Stimmung bleierner Unentschlossenheit. Im Mittelpunkt steht Paul; er ist vom Bund abgehauen; man erfährt nicht genau, warum er überhaupt hingegangen ist oder warum er gerade jetzt desertiert; jedenfalls zieht er sich in den Bungalow seiner Eltern, die im Italienurlaub sind, zurück. Er bleibt nicht lange allein: Noch bevor die ersten Feldjäger auftauchen, schaut erst mal seine Freundin vorbei und erklärt ihm, sie sei nach den Monaten seiner Abwesenheit seine Ex-Freundin; dann stehen sein Bruder Max und dessen dänische Freundin Lene vor der Tür. Damit ist die Viereckskonstellation, innerhalb derer sich Bindungen und Abgründe auftun werden, komplett. Paul, der antriebslos durch die Gegend schlurft, verliebt sich in Lene; Max kann nicht begreifen, was mit Paul los ist. So recht begreiflich ist es nicht, und doch wird diese Figur im Laufe des Films vollkommen schlüssig. Man spürt, dass hier alles stimmt und mit formaler Strenge inszeniert ist, jedes Detail in den Bewegungen, im Tonfall, im Verhalten. (Ekkehard Knörer) Ein junger Mann desertiert vom Wehrdienst oder besser: Er wird von seiner Kompanie an einer Autobahnraststätte vergessen. Also fährt er nach Hause, um seinem Bruder gehörig auf die Nerven zu gehen, sich in dessen Freundin zu verlieben, in einsamen Momenten einen Damenbadeanzug anzuprobieren und manchmal mit dem Skateboard um die nächste Kurve zu schweben. Bungalow ist witzig und luftig wie die besten Arbeiten von Rudolf Thome, er thematisiert den Krampf zwischen Aufstand und (sexuellem) Notstand wie die «Infinite Lovesongs» von Maximilian Hecker oder betont peinliche Texte von Blumfeld. Kurz: Er hätte das Zeug zu einem veritablen Kultfilm, wenn er nicht mit Kulten so wenig anfangen könnte. (Claus Philipp)