AUF DER KIPPE

V'98

AUF DER KIPPE

Andrei Schwartz
D, 1997
Dokumentarfilme, 79min,

AUF DER KIPPE

Andrei Schwartz
D, 1997
Dokumentarfilme, 79min,

Mit: 
Sprecher
Hannes Hellmann
Drehbuch: 
Andrei Schwartz
Ton: 
József Kardos
Gábor Erdélyi
Kamera: 
Gábor Medvigy
Schnitt: 
Zsuzsa Csákány
Teréz Losonci
Musik: 
Costel Ciofu
Crina Lacatus

Produktion: 
Wüste Filmproduktion
Weltvertrieb: 
Media Luna
Format: 
35 mm
Farbe und Schwarz/Weiß

Über ein halbes Jahr hat Andrei Schwartz mit seinem kleinen Team in "Dallas", einer Zigeuner-Siedlung am Rande der Müllkippe des rumänischen Cluj (Klausenburg), gelebt und gedreht. Er erzählt von Déjà-vus und verborgenen Bildern seiner eigenen Kindheit in Rumänien, die er freizulegen und zu bearbeiten sucht. Über 200 Stunden Material sind in diesen Monaten in der illegalen Siedlung entstanden, die letztlich auf 79 Minuten komprimiert worden sind, damit sie ins Kino passen. "Dallas" heißt die Barackensiedlung, weil - so erklärt es Lena - einer einmal gesagt hat: "Wie in Dallas habt ihr euch hier versammelt." Wir begegnen z.B. Dica, der Großmutter, die eine Art Chronik des Unrechts, das ihr Leben war und ist, erzählt, der 13jährigen Ciula, die als Schwester auch "Mutter" ihrer Brüder ist, und den Kindern Alin, Gabi, Niculaie und Aurel, die zusammen eine ganze Nacht auf der Kippe für ca. drei Mark arbeiten. Die Summe ist entscheidend. Die Frage nach Geld und Essen stellt Auf der Kippe so regelmäßig und eindeutig, dass ein pittoreskes Bild von Armut als verbindendem Schicksal unmöglich wird. (...)

Dieses Insistieren auf eine möglichst offene Darstellung der Verhältnisse ist zugleich Ausdruck einer Methode, die sich am besten mit dem Wort "Anteilnahme" fassen lässt. Anteilnahme in jeder Form - der des Begleitens der alltäglichen Abläufe, des Einblicks in familiäre Dramen, der offenen Benennung der Strategie der politisch Verantwortlichen und der Beobachtung von Bräuchen, kulturellen Identitäten und deren Veränderungen. Anteilnahme aber meint hier auch das systematische Vermitteln der eigenen Anwesenheit. Auf der Kippe erzählt permanent von der Einflussnahme der Filmemacher auf das scheinbar so "authentische" Leben in der Siedlung. "Wir waren für die Kinder wie das TV-Programm, das sie nicht haben." Die Kamera leugnet zu keiner Zeit die eigene Präsenz, und am Ende werden wir Andrei Schwartz dabei beobachten, wie er seine Darsteller ausbezahlt. (Jan Distelmeyer)