V'23 Sujets

Das diesjährige Sujet dreht sich zur Gänze um das Thema LICHT. Das Licht macht Details sichtbar und (be)greifbar, bringt eine Figur und deren Form zum Vorschein, legt jedoch gleichzeitig auch unterschiedliche Interpretationen nahe, die sich wandeln, je aufmerksamer das Bild betrachtet wird. Das Licht durchdringt und umspielt die organische Materie und betont ihre Veränderlichkeit. Das Material für dieses Sujet kommt ursprünglich aus der Welt der Wissenschaft, der Forschung – was erneut zeigt, welche Schönheit die Begegnung zwischen Technologie und lebenden Formen zutage fördern kann. Licht, Form, Forschung, Technologie und Leben – das sind auch Schlüsselbegriffe für die Welt des Kinos. Indem sie all seine analytische Kraft auf den Punkt bringt und seine Wandelbarkeit deutlich macht, steht diese Darstellung sinnbildlich für das Offenbarungspotenzial, das dem Medium Film zugrunde liegt.

V'22 Sujets

© VIENNALE | Rainer Dempf
© VIENNALE | Rainer Dempf
© VIENNALE | Rainer Dempf

Auf dem Plakat der diesjährigen Viennale sehen wir eine stattliche, brüllende Raubkatze. Diverse künstlerische Techniken sind hier kombiniert: Der Pinselstrich betont die kurvige Form und suggeriert Wendigkeit und Kraft, haucht ihr also gleichsam Leben ein, während der Druck die lebendige, schillernde Farbe unterstreicht und auf die Bildsymbolik orientalischer Kunst verweist. Es handelt sich um eine Darstellung aus dem frühen 19. Jahrhundert, die durch Kulturen und Traditionen gereist ist und noch heute äußerst geheimnisvoll wirkt. Ursprünglich stammt sie vom größten Meister der Ukiyo-e-Kunst, Katsushika Hokusai, der durch die Kombination von Holzschnitt und Malerei historische und mythische Sujets in die Moderne transportierte und auch die europäische Malerei des 19. Jahrhunderts beeinflusste, von Henri de Toulouse-Lautrec über Pierre Bonnard bis hin zu Paul Gauguin.

Hokusai hat eine dynamische Figur voller Temperament geschaffen, die an die Bewegtheit erinnert, die auch in seiner meisterhaften Darstellung „Die große Welle vor Kanagawa“ aus seiner berühmten Bildserie „36 Ansichten des Berges Fuji“ zum Ausdruck kommt. Ein brüllender Löwe, der aus seiner Trägheit erwacht und ein Festival einläutet, an dem alle voller Leidenschaft mitwirken: die Viennale, jene Jahreszeit des Kinos und seiner die Seele belebenden Aktivität.

Wie der Shishi (d.i. Wächterlöwe), der vor Unglück schützen soll, ist diese Raubkatze der perfekte Talisman für ein Festival der Inspiration und der Begegnung; er repräsentiert nicht nur die Beherztheit des in den Kinosälen präsentierten Filmschaffens, sondern auch den tiefgreifenden, kulturellen und gesellschaftlichen Brückenbau, den es anstrebt, und für den eine mittlerweile 60-jährige Festivalgeschichte steht.

Auch heute, im Jahr 2022, behauptet die Viennale ihren Platz in einem schwierigen Umfeld und in einer schweren Zeit für die menschliche Zivilisation, und will verlässlicher Ort für Austausch und Verständigung sein.

V'21 Sujets

V'21 Plakat © Viennale

Auf dem Festivalplakat sehen wir eine natürliche Landschaft; es ist ein faszinierendes und suggestives Bild, das uns in dieser Zeit, die unsere Gewohnheiten durcheinandergebracht hat und das, was wir sicher glaubten, die Wieder-Öffnung unserer geografischen wie geistigen Grenzen herbeisehnen lässt. Zugrunde liegt ihm eine Illustration vom Ende des 19. Jahrhunderts, die didaktischen Zwecken diente und die Welt beschreiben und bekannt machen sollte - deren Darstellung daher auf Beobachtung wie Einbildungskraft gleichermaßen basiert. Die Landkarte ist nicht die Landschaft - um das Offensichtliche festzustellen -, aber gerade deswegen ist sie ein Instrument der Erweiterung: sie ist zugleich Wiedergabe und Projektion. Darin liegt ihre Verwandschaft mit dem kinematografischen Dispositiv, das unsere Epoche vermittels der Subjektivität seiner Autor*innen interpretiert und diese Interpretationen wiederum vervielfacht in der Empfindungsfähigkeit und der Erfahrung der Zuschauer*innen.
Mehr zu unserem Sujet finden Sie in unserem Blog

V'21 Retroplakat

Die Retrospektive stellt sich vor mit einem Still aus LABORAT von Guillaume Cailleau aus dem Jahr 2014; es ist dies ein etwa zwanzigminütiger Film in einem der vielfältigen Programme, die in diesem Jahr die Retro konstituieren. Und die zusammengestellt worden sind von Programmmacher*innen, deren kuratorische Praxis sich durch die Förderung eines kritischen, die Gegebenheiten hinterfragenden Kinos auszeichnet. Die Angebote, die von diesen Delegierten - die wiederum wegen ihrer Erfahrung und Sensibilität ausgewählt worden sind - gemacht werden, unterstreichen die Herausforderung, die für den ganzen Zyklus der Auslöser war: Dass nämlich die subversive Kraft des Kinos immer noch die Macht hat, unsere Sicht auf die Dinge zu beeinflussen, die Dinge zu problematisieren und schließlich sogar zu verändern.

Das Bild verleiht dem Blick des Kinos, dem Blick im Kino und seinen unendlichen Möglichkeiten Nachdruck: Es ist ein Blick, der über die menschliche Dimension hinausgeht. Das ist eines der Themen dieser Reise, die von Amos Vogel inspiriert ist. Dessen Erbe lebt weiter in allen Winkeln und Filmkulturen der Erde, und es ist versammelt in den unterschiedlichen Strängen, die diese Retrospektive verfolgt und verknüpft. Wir wollten eine vielstimmige und gemeinschaftliche Retrospektive, um allein schon mit ihrer Form zu unterstreichen, welche anderen Wege in Richtung Veränderung und Subversion heute möglich sind.

V'20 Sujets

V20 Plakat

Biologisch gesehen zählen Pilze zur Domäne der Eukaryoten; sie bilden aber ein von Tieren und Pflanzen unterschiedenes Reich, das ihnen Mitte des vergangenen Jahrhunderts erst zugeteilt worden ist; zuvor wurden sie lange ebenso traditioneller- wie fälschlicherweise dem Pflanzenreich zugeschlagen; heute hingegen weiß man, dass sie mehr Gemeinsamkeiten mit tierischen Organismen haben.

Pilze leben in Symbiose mit anderen tierischen oder pflanzlichen Wesen oder sie sind deren Parasiten, auch die des Menschen. Pilze spielen eine fundamentale Rolle im Kreislauf der Natur und für den Austausch von Nährstoffen in der Umwelt: Sie sind die Urheber von Verwesung und Verwandlung organischer Materie. Pilze leben in dunkler Umgebung, eine Eigenschaft, die sie mit dem Kino gemein haben.
Der Mensch nutzt Pilze als Nahrung, sie kommen als Gärstoff oder Ferment bei der Zubereitung von Getränken und Lebensmitteln zum Einsatz, sie dienen der Desinfektion oder als biologisches Pestizid; antike medizinische Traditionen ebenso wie die moderne Naturheilkunde schätzen Pilze als Heilmittel, und ihrer berauschenden Wirkung wegen kommen sie in religiösen Ritualen ebenso zum Einsatz wie sie in sekularen Zusammenhängen als Mittel der Flucht aus dem Alltag gebraucht werden.
Seit jeher auch werden Pilze aufgrund ihrer psychoaktiven und halluzinogenen Eigenschaften in der Literatur und in den visuellen Künsten als Schlüssel zu den Pforten der Wahrnehmung beschrieben.

V'20 Retrospektive: Recycled Cinema

Das Sujet der Viennale 2020 stellt eine fröhliche Ansammlung stilisierter Fliegenpilze (Amanita Muscaria) dar, die ikonografisch seit jeher mit psychedelischen Erfahrungen assoziiert werden. So wie ja auch das Kino mit seinen überraschenden Perspektiven zu ungeahnten Erkenntnissen und Visionen anregt und den Blick öffnet in neue Welten.
Diese Aspekte der Verwandlung, des Erstaunens und der Befreiung wollen wir mit unserem Sujet wachrufen: Der Pilz der Viennale, weder Tier noch Pflanze, erinnert doch an beide, obwohl er eigensinnig etwas anderes bleibt – das sich weiter noch transformieren kann.
Zugleich bringt diese farbenfrohe, lebhafte Fläche – auf der sich aus der spielerischen Vermischung von Darstellung und Form vielfältige Möglichkeiten der Assoziation ergeben – viele Pilze zusammen, in gebotener Distanz zwar, aber doch versammelt wie zu einer Feier und einander begegnend.

Das Leitmotiv der Verwandlung und der Wiederverwertung prägt auch die Retrospektive, die in diesem Jahr als Kollaboration von Viennale, Filmmuseum und dem Verleih sixpackfilm entsteht, der sein dreißigjähriges Bestehen feiert. Es spiegelt sich in einem Still aus der bahnbrechenden Trilogie FILM IST des im letzten Jahr verstorbenen Gustav Deutsch, der in dieser die Phänomenologie des Mediums Kino vermittels in den Archiven der Welt gefundener Bilder aus anderen Filmen erforschte. Das Kino setzt sich zusammen aus filmischer Materie, die Filmkunst ist ein auf die Welt und die in ihr entstehenden Bilder gerichtetes Kaleidoskop.
Auf unserem Plakat ist ein Einzelbild zu sehen, das ihr Feuer einfängt.

V'19 Sujet

Konzept & Realisation: Rainer Dempf
© Viennale

 

V'18 Sujet

Konzept & Realisation: Rainer Dempf
© Viennale

 

V'17 Sujet

Konzept & Realisation: Rainer Dempf
© Viennale

V'16 Sujet

Konzept & Realisation: Rainer Dempf
© Viennale

V'15 Sujet

Konzept & Realisation: Rainer Dempf
© Viennale

V'14 Sujet

Konzept & Realisation: Rainer Dempf
© Viennale

V'13 SUJET

Rainer Dempf © Viennale

Konzept & Realisation: Rainer Dempf
© Viennale

V'12 SUJET


Konzept & Realisation: Rainer Dempf
© Viennale

V'11 SUJET

Sujet der Viennale 2011

Konzept & Realisation: Rainer Dempf
© Viennale

V'10 SUJET

 

Sujet der Viennale 2010

Konzept und Realisation: Rainer Dempf
© Viennale

V'09 SUJET

Sujet der Viennale 2009

Konzept und Realisation: Rainer Dempf
© Viennale

 

V'08 SUJET

Sujet der Viennale 2008

Konzept und Realisation: Rainer Dempf
© Viennale

V'07 SUJET

Sujet der Viennale 2007

Konzept und Realisation: Rainer Dempf
© Viennale

V'06 SUJET

Sujet der Viennale 2006

Konzept und Realisation: Rainer Dempf
© Viennale

V'05 SUJET

Sujet der Viennale 2005

Konzept und Realisation: Rainer Dempf
© Viennale

V'04 SUJET

Sujet der Viennale 2004

Konzept und Realisation: Rainer Dempf
© Viennale

V'03 SUJET

Sujet der Viennale 2003

Konzept und Realisation: Rainer Dempf
© Viennale

V'02 SUJET

Sujet der Viennale 2002

Konzept und Realisation: Rainer Dempf
© Viennale
 

V'01 SUJET

Viennale

Konzept und Realisation: Rainer Dempf
© Viennale
 

 

V'00 SUJET

Viennale

Konzept und Realisation: Rainer Dempf
© Viennale

V'99 SUJET

Sujet der Viennale 1999

Konzept und Realisation: Perndl Büro für Grafik
© Viennale

 

V'98 SUJET

Sujet der Viennale 1998

Konzept und Realisation: Perndl Büro für Grafik
© Viennale

V'97 SUJET

Sujet der Viennale 1997

Konzept und Realisation: Perndl Büro für Grafik
© Viennale

 

V'96 SUJET

Sujet der Viennale 1999

Konzept und Realisation: Oliver Kartak
© Viennale

V'95 SUJET


Konzept und Realisation: DMC
© Viennale

V'94 SUJET

Sujet der Viennale 1994

Konzept und Realisation: DMC
© Viennale

 

V'93 SUJET

Sujet der Viennale 1993

Konzept und Realisation: DMC
© Viennale

V'92 SUJET

Sujet der Viennale 1992

Konzept und Realisation: DMC
© Viennale

V'74 SUJET

Sujet der Viennale 1974

V'73 SUJET

Sujet der Viennale 1973

V'72 SUJET

Sujet der Viennale 1972

V'71 SUJET

Sujet der Viennale 1971